You Don’t Bring Me Flowers

Ja, da sind wir bei einem weiteren diamondschen signature song vom gleichnamigen Album.

„Du bringst mir keine Blumen mehr mit“  klingt dabei überraschend aus dem Mund eines Mannes. Auch heute noch, trotz aller Emanzipation, sind es eher Frauen, die Blumen als romantische Geste oder liebevolle Aufmerksamkeit erwarten.

Jedoch war dieser Song eigentlich nur als kurze Titelmelodie für eine Fernsehserie geplant, in der die traditionellen Rollenklischees vertauscht werden sollten. Hausmänner vs. Karrierefrauen, damals noch ein Riesenpotenzial an utopischen Szenerien. Und hier wäre die Blumen-Konstellation dann auch entsprechend anders gewesen, die Damen verteilen die Rosen. 😉

Wie so oft, kam es nicht zur Umsetzung des Projekts, es gab Querelen und so wurde irgendwann ein „richtiger“ ND-Song daraus und noch später das legendäre Duett mit Barbra. Und der/das geht so:

Neil wendet sich mit einer Reihe feststellender Vorwürfe an seine Dame. Ihm fehlt die Zuwendung, ein Signal, das ihn ihrer Liebe versichert. Er leidet.

So zählt er auf, was sie alles NICHT tut, Dinge, die gemeinhin liebevolles Interesse zeigen sollen: Blumen mitbringen, ihm Liebeslieder singen, mehr als das Nötigste mit ihm sprechen, nach dem Sex noch kuscheln. Sie lebt also an ihm vorbei und obwohl sie noch miteinander schlafen, geht es ihr offenbar nur um die eigene Befriedigung („When it’s good for you, babe / And your’re feeling alright / Well, you just roll over / And you turn out the light“).

Das eher lieblose „Jetzt“ kontrastiert er mit Erinnerungen an eine glücklichere Zeit der Gemeinsamkeit, „You used to hate to leave me“, und „It used to be so natural / To talk about forever“, es war einmal. Die „Für-Immers“ sind achtlos auf dem Fußboden gelandet und warten darauf, entsorgt zu werden.

So hat er in der Zeit nicht nur gelernt, „zu lachen“ und „zu lieben“, sondern leider auch „zu weinen“ und „zu lügen“, die Kommunikation hat sich genauso verändert wie die Beziehung. Am Ende des Songs stellt er die Frage

So you’d think I could learn
How to tell you goodbye

und wendet sich jetzt offen an “sie”. Sein Lied ist ein Hilfeersuchen, er will Reaktion und Aufmerksamkeit. Wenn „ihr“ noch etwas an ihm liegt, wird diese Frage sie wachrütteln – er überlegt schließlich, sie zu verlassen. Ansonsten ist das „goodbye“ unausweichlich, um seinen Seelenschmerz zu beenden.

Als Duett werden dem Song natürlich noch weitere Facetten hinzugefügt, da es sich dann nicht mehr um einen einsamen “Hilferuf”, sondern um einen direkten Austausch handelt. Die beklagten Punkte ähneln sich, die Partner haben beide Anteil an der Situation und können sie vielleicht auch gemeinsam lösen.

Die Duettversion Diamond / Streisand anlässlich der „Grammy“-Verleihung 1980 war reichlich funkensprühend. Auch in seinen Shows hat er den Song mit ordentlich emotionaler Dramatik inszeniert. Hoffen wir also das Beste für sein Gefühlsleben! 😉