Wild At Heart

Ein neues Album von Neil Diamond! Und diesmal tatsächlich eins, das diese Bezeichnung auch verdient, Fans leiden seit Jahren unter den immer neuen Best-of-Compilations, Neuaufnahmen der Greatest Hits und weiterem kreativen Gebrauch des Attributs „neu“. Schlappe anderthalb Jahre hat es von der vagen Erstnennung eines Releasetermins (damals Oktober 2024!) bis zum tatsächlichen Erscheinen gedauert.
Neil hat die zehn Tracks nicht in den letzten Jahren aufgenommen, sondern bereits in der Zeit der Kollaboration mit Rick Rubin. Wir hören also einen Endsechziger oder Neusiebziger, und es ist schön, wenn einen die ersten Akkorde anrollen und Neil die Strophe beginnt. Nicht alle mögen den reduzierten Rubin-Sound, der Name Diamond steht eigentlich für ordentlich Bombast im Arrangement, aber „Wild at Heart“ ist genau wie seine Vorgänger „12 Songs“ und „Home Before Dark“ ein nostalgischer Ausflug zu NDs musikalischen Wurzeln beim Bang-Label, als er noch als Mr. 3-Akkord sehr wiedererkennbare Melodiefolgen erstellte.
Mit Rick Rubin sollte es damals eine Albentrilogie geben, aber Neil brach die Zusammenarbeit trotz großer Erfolge bei Publikum UND Kritik nach „Home Before Dark“ ab, um wieder zu üppigerem Arrangement zurückzukehren. Dieses neue Album enthält nun Unveröffentlichtes, um den Kreis zu schließen.
Um es klar zu sagen: „Wild At Heart“ enthält Skizzen, Rohdiamanten und Frühversionen ohne den Appeal von „Hell Yeah“, „Delirious Love“ oder „Pretty Amazing Grace“. Die neuen Tracks sind warm vertraut, man hört genau, in welcher Umgebung sie entstanden sind und wann; sie sind purer Diamondismus, die Texte komplex, aber es fehlt der letzte Schliff zur Perfektion. Ein Schelm, wer jetzt an den Totalverkauf von Neils Oeuvre denkt und dass die Plattenfirma die vielen Millionen wieder reinholen muss, die man für die Rechte auf den Tisch gelegt hat.
Als Fazit bleibt die Kaufempfehlung für Fans, ein kurzes Abtauchen in Neils Erstliga-Spätwerk, ein Blick in sein Arbeitszimmer. Für Gelegenheitshörer ist diese Ausstellung zu karg und wird nur ein kurzes Vorbeistreamen beinhalten, bevor man wieder zu den Greatest Hits klickt.
Enthalten sind die folgenden Songs:
| 1 | Wild At Heart |
| 2 | You Can’t Have It All |
| 3 | Talking It To Death |
| 4 | Shine On |
| 5 | The Secret You |
| 6 | You Never Know |
| 7 | You’re Getting To Me |
| 8 | You Still Look Good To Me |
| 9 | You’re My Favorite Song |
| 10 | Forgotten (Alternate Version) |
Sobald die Analysephase beendet ist, kommt noch ein Detailbeitrag dazu. Was haltet ihr vom neuen Album? Stay tuned!

10!Songs, 32 Minuten – hier handelt es sich zweifellos um Resteverwertung aus der Rubin/Diamond – Ära. Finde es auch irreführend, das davon die Rede ist, dass die Songs tlw. neu eingesungen wurden. Es wäre schön gewesen, drei vier aktuelle Songs zu hören, Neils aktuelle Stimme hat bestimmt noch mehr Charakter als manche der aktuellen Popstars.
Ansonsten bekommt man kleine, gefällige Neil-Songs zu hören, sparsam arrangiert, getragen von Neils Stimme. Es gibt keine besonders herausragenden Stücke, keine extravagant langen Songs (wie bei HBD), aber es ist in sich stimmig für mich. Wer aber vorher kein Fan war, wird es dadurch auch nicht.