You Are My Love At Last

You Are My Love At Last

Mit diesem Song gehen wir ganz weit zurück zu Neils musikalischen Anfängen. “You Are My Love At Last” ist eine der Duett-Produktionen mit Jack Packer. “Neil and Jack” scheiterten grandios mit dem Versuch, die Everly Brothers sein zu wollen.

Warum sich ihre Platten schlecht verkauften, ist objektiv nicht ganz nachvollziehbar, denn Text und Komposition sind solide und durchaus besser als so manches kontemporäte Erfolgsstück.

Neils 60er-Kompositionen sind sehr charakteristisch, was die Akkordstruktur betrifft. (Zeitgenossen begründen das mit seinen mangelnden technischen Kenntnissen, d.h. er “konnte” nur wenige Akkorde spielen, die er dann eben auch immer wieder verwendete.)

Was den Text betrifft, so enthält “Endlich bist Du meine Liebe” bereits alle wesentlichen Elemente von typischen Neil-Diamond-Stücken: die hehre Suche nach wahrer Liebe, die Überhöhung des Gefühls auf eine dignifizierte, schicksalhafte Ebene und die devote Hingabe an die Geliebte als “Führerin”.

Im Kontrast dazu steht ein simpler Kreuz- und teils sogar Binnenreim, was den Song eingängig macht, aber auch ein wenig simpel klingt, schlageresk. Herz und Schmerz und so. Aber werfen wir einen Blick:

Neil beginnt den Song mit einem Rückblick. Er hat “that one girl” gesucht, die Eine. Aha, hier ist jemand auf der Suche nach mehr als beliebigen Plaisir. Und er gibt sich aktiv auch alle Mühe, hält nicht nur Ausschau, sondern “searched the whole world”. Die Belohnung hat er bereits erhalten: “That was in the past / And you are my love at last”.

Die drei folgenden Strophen beschreiben also die Ist-Situation. Zunächst beschreibt er “my love” und ihre Bedeutung, und die ist nicht nur groß, sondern quasi “Alles” für ihn. Sein einziges Begehr, “set my soul on fire” singt er, die Beziehung zu ihr ist auf allen Ebenen erfüllend und inspirierend. Das empfindet er als magisch und schicksalhaft, “now a spell is cast”, “[…] and my destiny”, er sieht diese Liebe wertiger als “normale” Beziehungen. Vielmehr wertet sie auch ihn als Person auf, er erfährt “things a mortal man would’t understand” – er fühlt sich über den “Normalsterblichen” und sieht gar “paradise deep within your eyes”.

In der letzten Strophe geht es dann um ihn selbst, “I have hungered for you” singt er. Das Bedürfnis nach Liebe ist für ihn ebenso existenziell wie das Grundbedürfnis nach Nahrung, und so ist der Satz “no more do I fast / For you are my love at last” auch schlüssig. Auf der geistigen Ebene steht sein “wanting to adore you”, auch hier ein Grundbedürfnis, das er mit lebenslanger Ergebenheit stillt: “I am yours forever”.

Dieses frühe Liedchen ist ein echter Diamond, es verknüpft poetische Elemente (von Romantik bis hin zum traditionellen Minnesang) mit simplem Schlager. Als Duo hat es 1962 nicht funktioniert, später hätte es mit angepasstem Arrangement ggf. ganz anders wirken können. Immerhin können wir im Jahr 2018 lässig der stets verfügbaren Klänge lauschen. Noch vor wenigen Jahren war dies nur gegen jede Menge Erspartes und mit sehr viel Glück möglich, von daher…schöne neue (Fan-)Welt!

Aleta

NDFan seit 1989 und bisher nicht mehr losgekommen. 1999, 2008, 2011, 2015 und 2017 in London, Köln und Oberhausen, Mannheim, Amsterdam und Hamburg live dabei. 🙂

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