Soolaimon

Soolaimon

Dieser Song ist Teil der “African Trilogy“. Neil hat sich mit dem Album „Tap Root Manuscript“ dem afrikanischen Kontinent verschrieben, der Wiege der Menschheit, ‚tap root‘ der Kulturen. 
Damals eher unpopulär, während Paul Simon et. al. ein gutes Jahrzehnt später mit ähnlichen Publikationen im Bereich „Weltmusik“ tonnenweise künstlerische Lorbeeren einheimsten (vgl. „Graceland“). Tja, dieser Verlauf zieht sich wie ein roter Faden durch NDs Karriere…

„Soolaimon“ als Teil 2 der Suite thematisiert Jugend und Adoleszenz, „Mann-Werden“, den Schritt ins Erwachsenenleben. Neil hat angegeben, dass der Titel auf dem arabischen „Salamah“ basiert, das als Willkommens-, Abschieds- und Friedensgruß verwendet wird. Perfektes Symbol für das Thema des Songs: Ende der Kindheit, Beginn eines neuen Lebensabschnitts, Ausdruck der persönlichen Einstellung. Soolaimon!

Textlich und musikalisch vereint das Lied Strophen und Refrain als sehr unterschiedliche Teile. Die sparsamen, wohlgesetzten, ruhigen Worte der Strophen kontrastieren mit dem druckvoll-rhythmischen „Soolaimon“ und den Gospelelementen im Refrain.

„Come she come say“ imitiert den Dialekt des afrikanischen Englisch mit verkürzten Wortendungen. Die Dame spricht zu Neil, sie lockt ihn. „Ride on the night“ kann auf verschiedene Art interpretiert werden, als sexuelle Aufforderung, als spiritueller Rat, als kontemplative Formel. „Mache Dir die Nacht zu eigen, die Sonne wird zum Tag, der Tag wird für Dich sorgen“. Soolaimon!

Das spirituelle Element wird im zweiten Refrainteil deutlich, „Gott meines Wollens, Herr meiner Bedürfnisse, er leitet mich“. Tja, und er leitet ihn „zum Weib, sie tanzt für die Sonne“. Die Sonne, das lebensspendene Symbol (auch im religiösen Sinn) kennen wir aus diversen Songs, man erinnert sich an das spätere „Be“ und den „Sonnengott“.

Auch im zweiten Teil lockt das Weib, „she callin‘“ mit der kryptischen Zeile „Bring home my name / On the wings of a flea“. „Bring home“ ist im Wortsinn etwas verständlich machen, klar stellen. Und ein Floh hat zwar keine Flügel, aber es wirkt so, als ob er fliegen könnte, weil er durch seine Sprungkraft Strecken überwindet. In dieser Strophe geht es also darum, Hindernisse zu überwinden, physisch und psychisch, für eine Idee, für eine Person, für eine Leidenschaft. Der „wind in the plains“ kommt als Naturgewalt hinzu, und während die Dame gerade noch „für die Sonne“ getanzt hat, bittet Neil nun „dance once for me“, der Tanz als Symbol der Ekstase verlagert sich vom religiösen auf den romantischen Bereich. Hier geht es nicht um das Anhäufen von Statussymbolen, um Ruhm und Ehre. Hier ist Sinnsuche das Thema, ein Loslassen zugunsten von Hingabe auf verschiedenen Ebenen, um den Platz im Lebensgefüge. Willkommen und Abschied in Frieden und Einklang mit der Welt.

So deckt Neil mit minimalen stilistischen Mitteln tatsächlich das Lebensthema ab, er vertont eine Philosophie, eine Lebenshaltung. Vertrauen in den Schöpfer, Leidenschaft, Energie. Sein „Soolaimon“ wird zum Ausdruck eines erfüllten Daseins, zum Feldgeschrei des Lebens.

Für mich war „Soolaimon“ immer ein Favorit und einer meiner Lieblingssongs. Insbesondere live konnte das Stück mit der Publikumsinteraktion eine ähnliche Faszination entwickeln wie „Holly Holy“. Wahnsinn, ganz groß! 🙂

Aleta

NDFan seit 1989 und bisher nicht mehr losgekommen. 1999, 2008, 2011, 2015 und 2017 in London, Köln und Oberhausen, Mannheim, Amsterdam und Hamburg live dabei. 🙂

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