Primitive

Primitive

Von den ganz frühen Anfängen heute mal ins 80er-Tal. Wobei „Primitive“ ein durchaus solides Album ist, wenn man den Zeitgeist berücksichtigt. Vorhang auf.

Neil bezieht den Songtitel auf sich selbst: „When I look in your eyes / I feel primitive“. Was die Dame in ihm auslöst –nämlich den Ausbruch sämtlicher Ur-Instinkte im zwischenmenschlichen Bereich-, setzt er uns sehr schön auseinander, indem er im ersten Teil des Songs die jeweilige Begriffsbedeutung den Strophen voranstellt und dann weiter ausführt.

Erstens: „Unzivilisiert“. Vergessen sind alle Errungenschaften des gesellschaftlichen Miteinanders. Er will sie und fühlt sich reduziert auf ein Wesen „aus der Mitte des Urwalds“. (Wer denkt auch an den Urmenschen mit der Keule, der die Gefährtin am Haupthaar hinterherschleift? )

Zweitens: „Einfach gestrickt“. Tja, er war so naiv zu glauben, dass sein Verstand die Leidenschaft im Zaum halten könnte. „And that’s when you take that fall“ – falsch gedacht. Seine Sinne gehen mit ihm durch und die Ratio kommt einfach nicht mit.

I’m livin’ my life
In such a primitive way
I was doing alright before you came
I said okay,
You said okay, it’s okay

So lebt er also vor sich hin, gesteuert von, äh, urtümlichem Instinkt. Was sollen wir von der „I was doing alright before you came“-Zeile halten? Ist „alright“ der erstrebenswerte Lebenszustand? Der Kontrollverlust scheint ihm jedenfalls so zuzusetzen, dass er lieber indifferent-kontrolliert „alright“ leben möchte, als sich „primitiv“ zu fühlen.
Im letzten Refrain wird das „alright“ dann durch „just fine“ ersetzt: den „primitiven“ Zustand empfindet er wohl eher verstörend als berauschend.

Im nächsten Teil wird dann die Lady besprochen: „There’s nothing about you / That’s even the slightest bit tentative“. Ach nee. Madame heizt das Feuer auch noch ordentlich an. Ts, ts, ts. Und Neil setzt noch einen drauf: Sie sei „in a way representative / Of woman kind“. Der Hammer. Die Damenwelt treibt den armen Männern also per se den Verstand aus! Aha. Da kann man wohl nichts machen. Auch die rhetorische Frage „Why can’t we just be friends“ hilft dem guten Neil da wenig weiter. Ist halt so.

Er suhlt sich derweil weiter im Leid ob seiner „Primitivität“. Die nächste Strophe spielt mit der Begrifflichkeit des Wortes „man“, das „Mensch“ oder eben „Mann“ bedeutet. Neil fühlt sich inzwischen weder menschlich noch männlich.

Just look at me
Feel like a river of quivering jelly,
No man at all
‘Cause no man would take that fall

Oh je, und Schuld ist –wie so oft- die Frau…

Aleta

NDFan seit 1989 und bisher nicht mehr losgekommen. 1999, 2008, 2011, 2015 und 2017 in London, Köln und Oberhausen, Mannheim, Amsterdam und Hamburg live dabei. 🙂

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