(Ooo) Do I Wanna Be Yours

(Ooo) Do I Wanna Be Yours

Das Wort zum Freitag heißt “Ooo”. Die „Melody Road“ hat ihre Momente, und das hier ist ein schöner.

Dieser Song zeigt, wie Sprache als Werkzeug funktioniert. Die Strukturen sind einfach, Kreuzreim und legerer Tonfall – aber dann tritt man einen Schritt zurück und erkennt das Gesamtbild. Neil malt uns eine Szenerie mit bekannten Symbolen aus Literatur und bildender Kunst: Traum, Wiese, Bahnhof, Fenster.

Aber beginnen wir von vorne, und zwar mit dem „Ooo“. Figuren wie „o“, „ah“, „alas“ nennt man in der Literatur Exclamatio, „Ausruf“. Sie versehen den ursprünglichen Aussagesatz mit Emotion, unterstreichen die innerliche Aufregung des Sprechenden und beziehen den Leser/Zuschauer mit in dessen Gefühlswelt ein. Neil verstärkt die Wirkung, indem er das o zum ooo macht und indem er die Satzstruktur verändert. Er sagt nicht nur „I wanna be yours“ sondern „Do I wanna be yours“ – das ist keine Frage, sondern rhetorische Verstärkung. Sein Songtitel beinhaltet also allerdringendstes Verlangen.

Seine Strophen beginnen dann jeweils mit „I had a dream“ bzw. “I dreamed”. Im Traum befindet man sich in einem Zustand zwischen Schlafen und Wachen, hier ist man seinem Körper, den Sehnsüchten und Wünschen hingegeben und der Geist, der Verstand hat keine Kontrollfunktion. Alles ist möglich.
Neil träumt „we were out on a meadow / Just you and me lyin’ out in the sun”. Eine entspannte und vom Alltag losgelöste Umgebung (in Traumdeutung und Psychoanalyse symbolisiert die Wiese meist den Lebensraum – hier herrscht wohl eitel Sonnenschein), in der er hofft, sein Gegenüber bald zu „bekommen“.

Im nächsten Traumbild stehen beide an einem Bahnhof, Beginn oder Ziel einer Reise. Oder “Umsteigemöglichkeit” zur Richtungsänderung. Ein Knotenpunkt, wo Wege zusammenlaufen; ein Bahnhof ist aber immer nur ein Übergangsort. Neil kennt wie selbstverständlich ihre Gedanken (“were hopin’…”) und vollendet diese („And sayin‘ your waitin‘ was finally done“).
Und dass auch “sie” etwas in Neil „erkannt“ hat, wird in der letzten Strophe deutlich.

„I dreamed you were sittin’ up there at your window”, sie sitzt also am Fenster, das die Verbindung von der Innen- zur Außenwelt symbolisiert. Sie schaut hinaus (“up there”) in die weite Welt und er kann Einblick in ihre Sphäre nehmen. Sie lächelt “with a strange kind of smile”, wissend, und mehr zu sagen ist auch gar nicht nötig: „I knew that you’d take me where I’d never been to“. Von daher ist seine Frage im Refrain („ooo, do you wanna be mine“) wahrscheinlich obsolet, er ist eher sehnsuchtsvoller Ausdruck des Verlangens. Wenn sie ihn dann wie erhofft bittet, “eine Weile zu bleiben“, sogar des gemeinsamen.
Sayin’, ooo, do I wanna be
Ooo, do I wanna be yours
Knew that I wanna be
Like I never knew it before
And now everywhere I go
I go havin’ you on my mind
Now all I wanna know
Is ooo, do you wanna be mine
Because
Ooo, do I wanna be yours
For sure
Ooo, do I wanna be yours
Of course
Ooo, do I wanna be yours

Nicht nur die rhetorische Figur des Ausrufs wird hier geschickt für den Appell an die Hörer genutzt. Die niedrigen Frequenzen der ‘tiefen’ Einschübe („Because“, „For sure“ etc.) erzeugen starke Resonanzen und Schwingungen im Körper. (Basstöne können sogar die Herzfrequenz beeinflussen. Ts, ts, ts.) Ich würde mal sagen, dass die Umsetzung der sehnsuchtsvollen Thematik hier wirklich gut gelungen ist, was für ein Love Song. Seufz.

Aleta

NDFan seit 1989 und bisher nicht mehr losgekommen. 1999, 2008, 2011, 2015 und 2017 in London, Köln und Oberhausen, Mannheim, Amsterdam und Hamburg live dabei. 🙂

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