Longfellow Serenade (revisited)

Longfellow Serenade (revisited)

Dieser Song war einer der ersten, über die wir in dieser Rubrik diskutiert haben. Aber die Brecherquote in Neils Setlist ist wie immer hoch, und so finden wir uns hier wieder ein. Erinnert ihr Euch?

Neil will für jemanden singen, „to serenade“, und im Deutschen ist die „Serenade“ eine klassische Abendmusik, die meist unter freiem Himmel dargeboten wurde. Vielleicht “on a sleepy glade”…?

Mr. Diamond singt natürlich nicht irgend etwas, sondern bezieht sich auf den Poeten Henry Wadsworth Longfellow. (Allen vorpubertären interpretatorischen Wortspielereien und des schlageresken Arrangements zum Trotz ist das nämlich ein durch und durch romantischer Song, auf allen Ebenen.)

Mr. Longfellow war ein Volksdichter, Voll-Romantiker in Leben und Werk, der melodiöse Liebesgedichte schrieb und seine körperliche Unversehrtheit beim Versuch opferte, seine geliebte Frau vor dem Feuertod zu retten. Das Lied, das Neil seiner „Lady“ darbringen möchte, kann also an höchsten Maßstäben gemessen werden, ebenso wie seine Liebe: „I loved her with words and more“, hach.

Ein Merkmal der Romantischen Dichtung ist die Aufhebung von Grenzen, von Poesie und Realität, und so ist es auch in diesem Song. Neils „Netz aus Reimen“ wird zum Vehikel, mit dem die Liebenden Raum und Zeit verlassen und allem davonfliegen können. Im Songtext ist die Dame „tief wie ein Fluss“, die beiden liegen „auf einer Waldwiese“, auch diese Motive sind typisch „romantisch“.

Weil Melodie und Arrangement (ganz im Longfellowschen Sinne) ansprechend, eingängig und massenkompatibel sind, wird das Lied gerne als simpel und/oder seicht eingeschätzt…no way!

Wie in Vol. I dargelegt, ist dieser Song komplex und großartig, Diamond at his best. Ha!

Aleta

NDFan seit 1989 und bisher nicht mehr losgekommen. 1999, 2008, 2011, 2015 und 2017 in London, Köln und Oberhausen, Mannheim, Amsterdam und Hamburg live dabei. 🙂

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