Long Hard Climb

Long Hard Climb

Neils 80er-Output habe ich, gelinde gesagt, oft mit sehr gemischten Gefühlen gelauscht. Wobei er gegen Ende der Dekade ein vergleichsweise solides Album abgeliefert hat; allerdings war „The Best Years of Our Lives“ mein zweites Album nach „Beautiful Noise“, das musste ich doch erstmal verdauen.
Aber zurück zum Thema, unser Song heute ist nett und voll im Diamond-Schema.

„It’s a long hard climb to the top“ weiß der Amerikaner. Ein schlauer Spruch, denn der „lange, anstrengende Aufstieg“ kann alles umfassen von der tatsächlichen Bergtour über die sprichwörtliche Karriereleiter. Gemeinsam ist ein Ziel, das es zu erreichen gibt, einen Gipfel. Neils heißt „forever“.

Im Song wacht er jeden morgen ungläubig an der Seite seiner Liebe auf, „deep in amazement“, dass sie ihn immer noch liebt und das womöglich „always“ tun wird. Gleichzeitig tut er kund, wie sehr er sie braucht, „My life depends on you / To always be there, always be mine“. Das scheint eine nicht ganz einfache Aufgabe zu sein, wie er meint, „Know you can make that long hard climb“. Recht gute Ausgangslage und das in der klassischen Diamond-Konstellation: er bedarf ihrer Liebe, macht sie zum überlebenswichtigen Faktor – seine Liebe ist sein Leben.

„How many others have come and gone“ resümiert er, alle sind weitergezogen, während er derselbe geblieben ist und bereit, alles zu geben: „I give you my heart, give you my soul / I give it all because, I know / It’s a long hard climb“. Er scheint der schwierigen Position seiner Partnerin voll bewusst zu sein und erkennt ihre Anstrengung voll an:

It’s a long hard climb, and I know it
And I hope that it’s not too late
And I know that
I’m lost if I should hesitate
Yes, I do believe in forever
It’s a place that lover’s find
And I know that we’re both gonna make
That long hard climb

Es ist ihr gemeinsamer „long hard climb“, ihr Lebensweg. Das Ziel heißt „forever“, Erfüllung, Seite an Seite (ohne „Zögern“, das würde bedeuten, dass einer von beiden zurückbliebe), ein Leben lang. Und so zeigt sein Bild in der nächsten Strophe ein vertrautes Miteinander „late in the evening“. Wenn der Lärm, der Trubel und die Aufgaben des Tages vorüber sind, konzentriert man sich auf das Wesentliche, „Dreamers caring too strongly to give it up“. Und jetzt singt Neil „our life depends on two“, hier hat er sein Gegenüber gefunden, zwei Liebende ergeben ein ganzes, ein „we“ und der Refrain variiert ins Übergreifende:

I give you my soul
We’ll give it all because we know it’s
A long hard climb

 

 

 

Und so findet er auch die Worte, die er in anderen Songs vergeblich sucht und nicht formulieren kann, „I wanted to say that I love you“, na also, es ist auch garantiert nicht „zu spät“, so wie wir dieses Lied bisher gehört haben. Die beiden werden sich beim Klettern gegenseitig stützen, mag der Weg noch so steil sein. Gemeinsam sind sie stark.

Yes I know that we can make it
‘Cause there’s no way that you could fake it
Yes together we’re both gonna make
That long hard climb

Einer von Neils sehr zuversichtlichen Lovesongs. Wenn er den ein klitzekleines Bisschen umarrangiert hätte…aber ich will ja nicht so viel meckern. Hier wird die Bildmetaphorik sehr innig umgesetzt. Also: way to go, würde ich sagen, der Berg ruft.

 

Aleta

NDFan seit 1989 und bisher nicht mehr losgekommen. 1999, 2008, 2011, 2015 und 2017 in London, Köln und Oberhausen, Mannheim, Amsterdam und Hamburg live dabei. 🙂

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