Long Gone

Long Gone

Ich glaube, es ist mal wieder Zeit für eine Song-Diskussion. Wir sind beim Album „Brother Love’s Traveling Salvation Show/Sweet Caroline”, eine biografisch “sprechende“ Veröffentlichung. Einige Songs betreffen die Trennung von Jaye, die neue Liebe zu Marcia; perspektivisch natürlich recht subjektiv.

Dieses Lied heißt „Long Gone“, und das kann man mit „über alle Berge“ übersetzen, aber auch mit „schon lange tot“ oder „lange vorbei“. Schublade auf…singt er über seine erste Ehe?
Die Legende kündet, dass Neil damals seine Familie quasi über Nacht verlassen hat, das klassische “Zigaretten holen”-Szenario. Den Bart, den er auf Fotos aus dieser Zeit trägt, hat er sich angeblich zugelegt, um für Jayes Privatdetektive weniger schnell zu erkennen zu sein. Mannometer.

Wir hören zwei Strophen, in denen es einmal um die Ist-Situation geht und dann um seine Wünsche und Erwartungen bzw. das, was er in einer Beziehung nicht möchte.
Das „Ist“ klingt eher desaströs:

You ain’t the devil
But you might as well be
For all the changes
That you put me through

Statt sicherer Geborgenheit sieht sich Neil einem steten Auf und Ab gegenüber, für das er gern Erklärungen hätte: “Du musst mir sagen / was in Dich gefahren ist”, aber diese Gründe wird er nicht erfahren. Seine geäußerten Bedürfnisse sind simpel, eigentlich Grundanforderungen an eine Beziehung: “jemand, an den ich glauben kann”, “jemand, der mich auch will”. Statt dessen bekommt er von “ihr” “lies and deceivin’”, und das natürliche Resultat erklingt dann im Refrain, den wir dominant im Ohr haben.

Long gone, baby is what I’m gonna be
Long gone, pack up and save my soul
Hang on to whatever’s left of me
Find me walkin’ the long gone road

Er verlässt sie, um sich und seine Seele zu retten, “was immer von mir übrig ist”, die Situation ist schädlich und die Konsequenz unabwendbar: long gone, auf allen Ebenen.

Die Sprachrhythmik ist sehr regelmäßig, und die ruhige Melodieführung mit starker Rhythmusbetonung unterstreicht die textliche Aussage: er hat abgeschlossen und ist sich seines Weges sicher. Das hier ist keine schmerzliche Ballade über Liebeskummer, hier ist jemand bereits über den Schmerz hinweg und die Emotion der Ratio gewichen, sein Aufbruch wird als vernünftig und logisch dargestellt. Und tschüss, auf zu neuen Ufern!
Die emotionale Ebene dieser Geschichte hören wir dann in „Hurtin‘ You Don’t Come Easy“.

Aleta

NDFan seit 1989 und bisher nicht mehr losgekommen. 1999, 2008, 2011, 2015 und 2017 in London, Köln und Oberhausen, Mannheim, Amsterdam und Hamburg live dabei. 🙂

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