I Haven’t Played This Song In Years

I Haven’t Played This Song In Years

Das Album “Three Chord Opera” wurde damals groß angekündigt mit Songs, die allein aus der Feder von Neil stammten. Tatsächlich war ich nach dem Movie-Album sehr erleichtert ;-), aber dem Titel gerecht werden die Songs nicht. (Immer noch zu viel Arrangement und Klangsoße für eine „Drei-Akkord-Oper“, aber durchaus viel Potenzial.)

In diesem Lied beobachtet Neil seine Dame durch ein Fenster, sie sind räumlich getrennt, und nicht nur das „You are free“ sagt er direkt in der ersten Strophe, trotz widrigen Wetters geht sie „weg von ihm“ und hat dabei eigene Pläne, „visions of your future lay before you“. Sie stellt sich wohl ein anderes Leben vor als das mit ihm. Wie konnte es dazu kommen?

Offenbar versucht sie noch, ihn zu einer Reaktion zu provozieren, „I saw you in the company of strangers/Laughing just a little bit too loud“, das ist wohl ein weiblicher Versuch, Aufmerksamkeit und vielleicht Eifersucht hervorzurufen. Bei Neil funktioniert das nicht, er fordert seinerseits Beachtung und verharrt in indirekter Beobachtung der Szene: „Looking at reflections in a mirror I can see the smiling faces but not me among the crowd“. Seine Herzensdame hat sehr demonstrativ Spaß mit allen anderen und nicht mit ihm. Und er grübelt über die Gründe.

Eigentlich hat er ein Liebeslied schreiben wollen, direkt aus seinem Herzen, wo die „zärtlichsten Melodien“ erwachsen, aber sie ist weg, er kann es nicht so spielen, wie geplant. Und nun reflektiert er über die Gründe, einst waren sie leidenschaftlich verbunden, er reimt „fire“ mit „desire“, lässt die Funken, „sparks“, sprühen, aber das ist vorbei. Was ist aus den Liebenden, die „wie Kinder im Süßigkeitenladen“ genießen konnten, bloß geworden? Urplötzlich sind sie „versunken in Tränen“ (das Gegenkonzept zu den Feuer-Vokabeln aus guten Zeiten…) und er gibt ihr die Schuld „Yes baby, you’re the reason that I haven’t played this song in years“. Sein Liebeslied bleibt ungespielt und ungehört.

Seine eigene Rolle sieht er unkompliziert, er will lieben und geliebt werden. Nichts weiter. Auch wenn „einige“ den Kopf voll Schnickschnack haben und Luftschlösser bauen, er sieht sich als ehrlich Liebenden und das sollte doch ein ordentliches Beziehungsfundament ergeben. Aber:

„Wir hörten nie unsere gegenseitigen Rufe, so wurden Liebende zu Lügnern“. Zwei Menschen mit so tiefen Gefühlen füreinander haben begonnen, aneinander vorbeizuleben und es ist herzzereißend, diesen Verlauf zu hören. Neil gab sein Bestes, es war nicht genug. Man fing an, aufzurechnen. Er hat ihr kleine Unehrlichkeiten verziehen, aber die Beziehung wurde dadurch schleichend vergiftet, „till I couldn’t hide my deepest fears“. Angst und Furcht, Befürchtungen sollten keinen Raum haben in einer Liebesbeziehung und der Satz markiert das Ende des Songs, den Todesstoß für die Beziehung. Es ist vorbei und sein Liebeslied, „purely from the heart“ hat nie das Licht der Welt erblickt.

Tiefer Seufzer. Ein lebendiges Bild einer am Leben gescheiterten, innigen Beziehung, beide scheinen gefangen in ihren Verhaltensweisen. Die Liebe war groß und doch gab es keine Zukunft, nicht für die beiden und nicht für „ihren“ Song…

Aleta

NDFan seit 1989 und bisher nicht mehr losgekommen. 1999, 2008, 2011, 2015 und 2017 in London, Köln und Oberhausen, Mannheim, Amsterdam und Hamburg live dabei. 🙂

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