Front Page Story

Front Page Story

Der heutige Song ist zwar aus der 80er-Kollaboration mit Herrn Bacharach und Frau Bayer-Sager entstanden und trägt deren signifikante Handschrift, bleibt thematisch aber ein echter Diamond.

Das Lied heißt „Titelstory“. Und das ist (bzw. war früher) im Zeitungsbusiness das kaufentscheidende Argument. Vorne muss es krachen, den Leser aus dem Regal/dem Automaten/ der Hand des Zeitungsjungen ansprechen. Mal sehen, was Neils Geschichte bietet.

„Sie wacht auf / Sie geht fort / Sie strebt hinaus, so sicher / Dass sie das Leben finden kann, an das sie glaubt / Sie ist jetzt froh / Dass es vorbei ist / Sie hätte sich nie so eng binden lassen sollen / Das ist jedenfalls, was sie ihm gesagt hat“. Und eine Strophe weiter „Er überlegt / Was passiert ist / Er denkt an all die Dinge / Die er unternommen haben könnte / Warum sollte sie ihm nicht glauben“.

Ok, eine Trennungsgeschichte, und das noch nicht mal auf prominentem Niveau. Das hört sich nach geordnetem Rückzug an, die Nachbarschaft hat keine interessante Szene zu besichtigen, nichts zu berichten, alles läuft ruhig und fast alltäglich ab. Das soll eine front page story sein? Natürlich nicht.

And it ain’t a Front Page Story
Won’t even make the papers
Somebody breaks a heart in two
And it happens much too often
Won’t ever make the headlines
Somebody’s broken heart ain’t new
Except when it happens to you

Diese Story kommt nicht auf die Titelseite, geschweige denn in die Zeitung. Denn das ist leider häufiger Alltag, Herzen werden gebrochen, Beziehungen gehen zuende. Tja. So ist das Leben, nichts Neues – es sei denn, es passiert einem selbst. Für einen selbst ist der Schmerz dann allgegenwärtig und nimmt jeden Raum ein. Und es gibt keinen guten Rat; Geschichten wiederholen sich und sind doch jedesmal anders. Man muss seine Geschichte durchmachen, es passiert die ganz persönliche „Titelstory“.

Somebody’s broken heart ain’t news
Except when it happens to you

Sprachlich gibt es keine Auffälligkeiten (außer dem glättenden “ain’t”), wir stolpern nicht über interessante Konstruktionen, die Verse greifen ineinander. Aber das ist dann stimmig, wir hören ja eben nichts “Aufsehenerregendes”, keine Verzweiflung, keine aufrüttelnde Emotion, sondern ruhig-abgeklärte Erkenntnisse

 

Aleta

NDFan seit 1989 und bisher nicht mehr losgekommen. 1999, 2008, 2011, 2015 und 2017 in London, Köln und Oberhausen, Mannheim, Amsterdam und Hamburg live dabei. 🙂

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