Done Too Soon

Done Too Soon

Dieser Song stammt aus Neils kreativster Phase. Viele, sehr viele Jahre, bevor Künstler wie Billy Joel bzw. Bands wie R.E.M. für ihr unkonventionelles Konzept gerühmt wurden, brachte Neil diesen ungewöhnlichen Text heraus.

Das Lied besteht aus drei Strophen, die nur  aneinandergereihte Namen enthalten; völlig unterschiedliche Persönlichkeiten quer durch die Jahrhunderte.

Am Ende folgt der Refrain, der alles zu einem Ganzen zusammenfügt: Alle erwähnten Personen haben auf dieser Erde gelebt, alle haben denselben Mond gesehen, und alle sind sie gestorben, Vergangenheit, ihr „Werk“ ist beendet. Wer wird erwähnt?

Jesus Christus – der muss nicht erläutert werden

Fanny Brice – Entertainerin (ihr bewegtes Leben hat Barbra Streisand uns in „Funny Girl“ und „Funny Lady“ nahegebracht). Sie war auf komische Auftritte mit den “Ziegfeld Follies” abonniert und durfte nie ernste Rollen verkörpern. Auch im Privatleben fand sie kein Glück

Wolfie (Wolfgang Amadeus) Mozart – Komponist, vom Wunderkind zum Superstar mit luxuriösem Lebensstil aufgestiegen, sein Werk gehört mit zum Bedeutensten, was die Musik über die Jahrhunderte hervorgebracht hat. Um seinen frühen Tod ranken sich diverse Mythen

Humphrey Bogart – Schauspieler, die von ihm dargestellten, oft zynischen Außenseiterfiguren waren immer durch Moral und Ehre charakterisiert

Dschingis Khan – charismatischer mongolischer Herrscher über ein Weltreich

  1. G. Wells – Schriftsteller, vornehmlich Science-Fiction-Genre. Sein “Krieg der Welten” in der Hörspielfassung von Orson Wells löste 1938 landesweite Panik aus, als man die fiktionale Handlung für eine Livereportage hielt

Ho Chi Minh – Vietnamesischer Revolutionär und Kommunist, der wie Che Guevara oder Mao zur Symbolfigur einer Befreiungsbewegung wurde

Gunga Din – Fiktionale Figur in einem gleichnamigen Gedicht, von Rudyard Kipling erschaffen. Er war ein heldenhafter indischer Wasserträger, der das Leben eines Britischen Soldaten rettete und selbst erschossen wurde.

Henry Luce – Gründer einflussreicher Zeitschriften wie „Time“ und „Life“

John Wilkes Booth – Mörder des US-Präsidenten Abraham Lincoln, zu seiner Zeit populärer Schauspieler und Südstaaten-Aktivist. Nach dem Attentat deklamierte er „sic semper tyrannis“, so soll es allen Tyrannen ergehen. Er wurde getötet, als er sich seiner Verhaftug widersetzte

Alexanders King and Graham Bell – Hier dachte ich jahrelang, dass Alexander der Große gemeint ist, mazedonischer Herrscher über ein Weltreich. Im Zusammenhang mit Alexander Graham Bell, dem Britischen „Erfinder“ (eher: erstem kommerziellen Vermarkter) des Telefons, ist es aber wahrscheinlicher, dass tatsächlich Alexander King gemeint ist, Wissenschaftler und Mitbegründer des Club of Rome

Ramakrishna – Hinduistischer Priester, der in seinen Schriften die Gleichheit der Religionen hervorhob

Mama Whistler – Anna McNeill Whistler wurde von ihrem Sohn James in einem berühmten Portrait verewigt („Whistler’s Mother“). Es gilt seit dem 19. Jahrhundert als Inbegriff der Darstellung von Liebe zu den Eltern bzw. familiärer Werte

Patrice Lumumba – kongolesischer Politiker, der zur Symbolfigur für den Kampf gegen Imperialismus und für Unabhängigkeit von den belgischen Kolonialherren wurde

Russ Colombo – Sänger und Komponist, der mit seinen Balladen in den 1930er Jahren Berühmtheit erlangte

Karl and Chico Marx – Zwei sehr unterschiedliche Persönlichkeiten mit gleichem Nachnamen: Karl Marx, Vorreiter der Arbeiterbewegung, Ökonom und Philosoph. Chico war mit vier seiner Brüder Teil einer weltbekannten Komikertruppe.

Albert Camus – französischer Literat und Philosoph, der sich stets gegen alle autoritären Staatsformen aussprach

  1. A. (Edgar Allan) Poe – amerikanischer Poet und Schriftsteller, der vor allem für Kriminal- und Horrorliteratur bekannt wurde und als Mit-Wegbereiter der Modernen Literatur gilt

Henri Rousseau – französischer Maler, der dem Surrealismus den Weg ebnete und das Genre prägte

Sholom Aleichem – Künstlername des jiddischen Autors Solomon Rabinovich, der in Werken wie „Anatevka“ erstmals den Alltag osteuropäischer Juden portraitierte

Caryl Chessman – Verurteilter und nach zwölf Jahren letztendlich hingerichteter US-amerikanischer Vergewaltiger, der über eine Dekade seine Unschuld beteuerte, und dessen Fall in den 1950er Jahren eine Debatte um die rechtmäßigkeit der Todesstrafe auslöste

Alan Freed – DJ in den 50ern, der weiße und schwarze Künstler förderte, das erste Rockfestival organisierte (das wegen der Zuschauermassen kurzfristig aufgelöst werden musste) und dessen einflussreiche Karriere nach Auffliegen eines Bestechungsskandals endete

Buster Keaton – Starkomiker der Stummfilmära

So unterschiedlich die genannten Per-sonen und ihre Motive waren, so verbindet sie doch die Vergänglichkeit. Jeder von ihnen hätte seine Sache wohl gerne weiter verfolgt („And wept when it was all done“), aber das Ende kam und so sind diese Namen inzwischen alle Geschichte, jeder einzelne verbunden mit einem Kosmos von Informationen, Assoziationen, mit unzähligen Facetten, mit Biografien, die jeweils ganze Regale in Bibliotheken füllen können.

Done too soon, unsere Zeit ist begrenzt, egal ob große oder kleine Taten. Vereint in Sterblichkeit.

For being Done

 

Aleta

NDFan seit 1989 und bisher nicht mehr losgekommen. 1999, 2008, 2011, 2015 und 2017 in London, Köln und Oberhausen, Mannheim, Amsterdam und Hamburg live dabei. 🙂

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