Create Me

Create Me

Ich finde die relativ zufällige Abfolge Stones-Play Me-Create Me hier sehr interessant. In „Stones“ tritt Neil als Beschützer auf, in „Play Me“ braucht er die Lebendigkeit und ergänzende Kraft seiner „Sonne“ für sein Lied. Und jetzt hören wir „Create Me“, in dem spirituelle und weltliche Ebene wiederum nicht völlig getrennt sind.
„Create Me“, erschaffe mich, ist der Titel. Das bedeutet, hier beginnt jemand als Nichts, muss erst zu existieren beginnen und wir überlegen – ist das ein Gebet? Oder eine ND-typische Bitte an die Geliebte?
Die geschilderte Situation ist komplett passiv, klaustrophobisch und abwartend, „I wait alone“, „I sleep behind a wall“, „days break, nights fall / each one the same“. Hier ist jemand in Todesstarre, in einer Art Winterschlaf, fast denkt man an Grabesstille. Neil hat keine Handhabe, die Situation selbst zu ändern. In der ersten Strophe konstatiert er „my silent call unknown“, er äußert sich nicht und seine Lage, vollkommen getrennt von der Lebendigkeit der Welt, ist folglich „unbekannt“.

Dieser Song ist schließlich sein Hilferuf, der nach außen dringt. „Create me“, wiederholt er viele Male, „wake me from this sleep to then begin again, to live again“. Es ist sein Geist, seine Seele, die Wiederbelebung nötig hat (“breathe your life into my soul”), sein Körper („take me in your hands and shape me“) und er weiß, das Ergebnis wird “the greatest story told“ sein. „Know that my destiny is tied to yours / just need to trust me, our destiny is now”. Einige Jahre Erfahrung liegen hinter ihm und er sieht eine Zukunft, eine Vorbestimmung, ist sicher in seinem Wunsch.
Wie endet es? “It comforts me to see you there / there you are, we’ve come so far” lässt hoffen, dass sein “endloser Traum” in Erfüllung geht. Allerdings endet der Song mit “I dream alone” und wir finden Neil wieder hinter seiner Mauer, allein mit der Stille.

Und jetzt müssen wir entscheiden – hält Neil Zwiesprache mit Gott? Wieder finden wir viele biblische Motive, Schöpfung, die “fields yet to plow”. Sehnt er sich nach einer (vergangenen) Liebe, einer Frau? “I wait behind a wall to hear you call my name”, ist das der Wunsch nach “erkannt werden” im biblischen Sinn, sprich einer Beziehung zwischen Mann und Frau?

Die Zeile „just need to trust me, our destiny is now“ spricht jedenfalls gegen eine spirituelle Lesart. Es ist ein love song, und Neils Liebe wird wiederum eine existenzielle “Macht” zugeschrieben. Er ist nicht lebendig ohne sie und zum Warten verdammt, sie entscheidet über sein Schicksal und wie das aussehen wird, erfahren wir nicht. „Create Me“ beschreibt das Warten und seinen Ruf nach „Erweckung“ und dass der Song uns kein Ende präsentiert, ist somit stringent.

Aleta

NDFan seit 1989 und bisher nicht mehr losgekommen. 1999, 2008, 2011, 2015 und 2017 in London, Köln und Oberhausen, Mannheim, Amsterdam und Hamburg live dabei. 🙂

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