Blue Highway

Blue Highway

Bleiben wir bei Neils großartigem Countryalbum und nehmen uns für heute einen ebensolchen Song vor! Nachdem er in „Tennessee Moon“ sich nach einem überstürzten Ortswechsel endlich „angekommen“ fühlt, ist im Folgenden der Weg das Ziel.

Der Highway ist das, was wir hierzulande wohl als „Bundesstraße“ bezeichnen würden. Der Name hat nichts mit Schnelligkeit zu tun, sondern es handelt sich um ehemalige Hauptstraßen „von Ort zu Ort“, die schon in Vor-Auto-Zeiten besonders befestigt (…und in alten Zeiten „erhöht“, gegen Schlammbildung…) waren und heutzutage auch kleinere, und/oder ländliche Orte verbinden. Highways wurden früher im Standard-Kartenwerk mit blauen Linien gekennzeichnet – „Blue Highways“.

(Anm.: Übrigens gibt es ein interessantes Reisebuch mit eben diesemTitel. Nach Trennung von seiner Frau und Jobverlust ist der Autor mit dem schönen „indianischen“ Namen Least Heat Moon auf den Nebenstraßen der USA gereist, um verschiedenen Menschen und schließlich sich selbst zu begegnen. Ob Neil das auch gelesen hat?)

Moderner sind die „Interstate Highways“, kurz „Interstates“ genannt, die in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts mit der zunehmenden Motorisierung nötig wurden. Sie verbinden die Metropolen, sind in etwa mit den hiesigen „Autobahnen“ vergleichbar, und für höhere Geschwindigkeiten vorgesehen.
Soweit zur Theorie der Straße.

In der Praxis zeigt uns Neil zwei gegensätzliche Konzepte: das, was er hinter sich lassen will, zum Einen. Nämlich die „big city“, „sorry town“, mit jeglicher „confusion“. In der großen Stadt hat er zwar Freunde und wohl auch „etwas Geld verdient“. Aber er betont „stayed too long“, „I’ve had it up to here with worry“ und er hat „für jeden Tag bezahlt“. Er muss weg, hält dieses Leben nicht mehr aus.
Gegenkonzept und Ziel ist die Straße, er sehnt sich nach „those country roads“ auf dem Weg südlich, nach Tennessee. Das kennen wir – dort hat Country (u.a.) seinen Ursprung, dort wähnt man Landidylle, alte Werte und Entschleunigung. (Und da wohnt offenbar auch eine Annie, die einen Besuch wert scheint…) Nicht zuletzt singt er „I need to see the sky“, und der ist dann hoffentlich blau wie der Highway im Songtitel.
Wichtig ist die Art und Weise, wie er sein bisheriges Leben verlässt. Den „blue highway“ will er nehmen und eben nicht die „interstate“, die all das verkörpert, was er verabscheut und nun hinter sich lassen möchte. „Rolling down“, „slow things down“, „ease on out of town“, er plant eine gemächlich-geschmeidige Reise „in no hurry“, weg von jeder Großstadthektik, die er vollends genießen will.

And every mile just makes me smile
‘Cause I’ve made my getaway

Ein wunderbarer Plan, aus vollem Herzen geschmiedet. Gute Reise, Neil. Der Song ist jedenfalls ebenso wunderbar und aus ebenso vollem Herzen vorgetragen. „You can find me on that blue highway.“

See you soon.

Aleta

NDFan seit 1989 und bisher nicht mehr losgekommen. 1999, 2008, 2011, 2015 und 2017 in London, Köln und Oberhausen, Mannheim, Amsterdam und Hamburg live dabei. 🙂

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