Über Neil Diamond

Ja, er lebt noch und ist mit 76 Jahren sogar wieder einmal auf Welttournee: Neil Leslie Diamond wurde am 24. Januar 1941 in NYC geboren, gehört seit den späten 1960er Jahren zu den ganz großen Namen der Singer/Songwriter und ist -leider- seit den 80er Jahren mehr und mehr aus dem Hör-Repertoire des Massenpublikums verschwunden.

In den 70er Jahren waren seine introspektiven Songs mit einem hohen Grad von Selbstidentifikation weltweit bei Publikum und auch Kritikern geschätzt, die weiblichen Fans waren verrückt nach dem gutaussehenden Amerikaner. “Sweet Caroline”, “Song Sung Blue”, “Cracklin Rosie”, “Beautiful Noise” wurden Charthits und dann Evergreens in vielen Ländern, nachdem Diamond Ende der 60er Jahre zunächst den Durchbruch als Songwriter (“I’m a Believer” wurde Nr. 1 Hit für die ‘Monkees’), dann auch als Sänger (“Solitary Man”) schaffte.

Seit Mitte der 80er Jahre wichen dann die meist perfekt durchkomponierten, oft düster-schwermütigen Songs über die traurigen Seiten der Liebe und des Lebens einer anderen Art von Pop: Mit dem Album “Primitive” machte Diamond eine Kehrtwendung hin zum eher seichten Easy Listening, blieb aber nach wie vor beliebt bei seinen -in der Popszene einzigartig- loyalen Fans.

Ein Ausflug ins Filmgeschäft (“The Jazz Singer”, 1980) geriet darüber hinaus zum cineastischen Flop, während der gleichnamige Soundtrack die Charts stürmte. Das Remake des weltweit ersten Tonfilmes von 1927 zeigt Diamond als Sohn eines jüdischen Kantors, dessen Leidenschaft für weltliche Popmusik (die ihn in die Arme seiner nichtjüdischen Managerin drängt) ihn fast die Liebe seines traditionell gesinnten Vaters kostet.
Während Diamond-Fans Parallelen zum Leben ihres Idols suchten und fanden, schmähten Kritiker die allzu “verquaste Story” (Filmlexikon).

Allerdings brachte der Film auch eines der erfolgreichsten Lieder aller Zeiten hervor – das US-patriotische “America”, das nicht nur #1 der Charts erreichte, sondern auch heute noch eine der obligatorischen 4.Juli-Melodien ist.
Die 2000er Schmonzette “Saving Silverman” (zu deutsch “Zickenterror”getauft) zeigte Neil in einer eher selbstironisch angehauchten Rolle als “himself”, in der er dem Sänger einer jugendlichen Tributband zum Liebesglück verhilft. Der Abspann-Song “Mission of Love” wurde Teil seines Albums “Three Chord Opera” (s.u.), mehr können selbst hartgesottene Fans nicht aus dem Film herausholen, den Diamond wohl eher “aus Spass an der Freud” gedreht hat.

Seinen heutigen legendären Ruf erwarb sich Diamond ohnehin durch seine rekordbrechenden Livealben und -konzerte, angefangen mit “Hot August Night” (1972) vor großorchestralem Hintergrund, über “Love At The Greek” (1976) und “Hot August Night 2” (1986) bis zu “Live in America” Anfang der 90er Jahre. Seine charismatischen Bühnenauftritte trösteten die Fans auch über eher uninspirierte Alben (“Headed for the Future”, 1986) und immer wieder veröffentlichte best-of Compilations hinweg. Das Ende der 90er Jahre zeigte einen musikalisch dynamischeren Diamond, mit dem Country Album “Tennessee Moon” (1996) eroberte er aufs neue die Herzen seiner Hörer und nebenbei auch die Charts, während ein CoverAlbum mit Filmmusik (“The Movie Album” 1998) nur Sehnsucht nach echten Diamond-Songs aufkommen ließ.
2001 erschien “Three Chord Opera”, angepriesen als das erste Album seit 20 Jahren, dessen Songs von Neil Diamond ohne Co-Autor geschrieben wurden. Tatsächlich schimmert unter der glattpolierten Oberfläche von Songs wie “You are the best part of me” wieder der ersehnte ‘Diamondismus’ der 70er durch, insbesondere die bittersüssen “I haven’t played this songs in years” und “Midnight Dream” sind Highlights der späten Diamond-Ära.

Zu “Altersmeisterwerken” gerieten “12 Songs” (2005) und “Home Before Dark” (2008), ein Album, die in Zusammenarbeit mit Rick Rubin in der Tradition von Johnny Cashs “American Recordings” entstanden. Bar allen überflüssigen Arrangements und fast schmerzhaft intensiv vorgetragen, wurde “Home Before Dark” zum größten Charterfolg Diamonds (#1 Album in den USA). Insbesondere der Song “Hell Yeah” ist ein würdiger Kontrapunkt zu NDs “I am … I said” der frühen 70er.

Neil Diamond ist meiner Meinung nach einer der meist unterschätzten Künstler der letzten 20 Jahre, zu leicht schiebt man ihn in die “Schnulzensänger”-Schublade, was vielleicht keiner weniger ist als Diamond, dessen größte Hits unglücklicherweise die leichten Popstückchen waren, während die wahren “Edelsteine” auf B-Seiten und Konzeptalben nur Kennern und Genießern vorenthalten blieben.  Den wahren Neil Diamond findet man z.B. auf den Alben “Serenade” (1973) oder “Beautiful Noise” (1976), auf seinen einzigartigen Live-Veröffentlichungen (s.o.) und letztendlich auf “12 Songs”/”Home Before Dark”. Die musikalischen Ausrutscher der 80er Jahre verzeiht man diesem Mann gerne: Diamond’s are forever!

 

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