September Morn

Die aktuelle Tour beschert uns schnell den ersten Showstopper – vom American Bandstand-Sound direkt in die Easy-Listening-Abteilung. Hier waren wir schon mal und repetieren kurz einen von Neils beliebtesten Lovesongs.

Das Thema ist auch hier der Tanz. Diesmal etwas romantischer eingekleidet, und doch haben wir im Hinterkopf, dass „tanzen“ stets auch Metapher für körperliche Harmonie ist. Aber es ist ein Neil Diamond Song (freundliche Grüße an M. Bécaud), und so kommt natürlich auch die geistig-emotionale Ebene nicht zu kurz.

Der Septembermorgen ist für Neil Anlass, an eine vergangene Liebe anzuknüpfen. Er trifft unvorhergesehen auf die Dame, die er zuerst „kaum erkannt“ hat, weil so viel Zeit vergangen ist.

Die zwei verbindet viel, sie „haben die Nacht durchtanzt“, waren einst „lovers“ und er „kann sie immer noch weinen hören“. Höhen und Tiefen und dann Jahre der Trennung.

Heute, so beschwichtigt er, will er sie aber nur „ansehen“ (ggf. für sie „singen“), aber in seinen Worten liegt natürlich der Wunsch, an die alten Zeiten -deren Beschwörung den Hauptteil des Songs ausmacht- und an das alte Gefühl anzuknüpfen.

„September morning still can make me feel that way“ singt er, und “we’ve traveled halfway ‘round the world to find ourselves again”, er empfindet die Begegnung als schicksalshaft. Nun ist er da, der September Morn mit all seinen Möglichkeiten. Still can make me feel…Das Gefühl von damals dominiert die Gegenwart und ist vielleicht ein Versprechen für die Zukunft.

Das ist, wie in Vol.I der „Linguistics“ dargelegt, eine meisterliche angelegte Schnulze mit allem, was es dafür so braucht. In der aktuellen Setlist darf das angeheizte Publikum sich dafür hinsetzen und Neils ausgeruhte Stimme genießen. Im September dann in Germany.

(Editor sez: Neil sang den Song auch bei den Reagans für Prinzessin Diana)