Save Me a Saturday Night

Ja, wir bleiben bei den “12 Songs” und ich werde nicht müde zu wiederholen, dass das eins der besten ND-Alben ist. Jeder einzelne Song ist grandios. Aber, weiter im Text

Heute kommen wir mal wieder zu einem echten “Neil”, was die Konstellation zwischen ihm und der Dame betrifft. Er war auf der Suche und da gibt es eine Frau, er klopft bescheiden, irgendwie unterwürfig an ihre Tür, um zu werben.
“How did I ever find you? I’ve been waitin so long”. Das ist kein Geplänkel, kein Zwischenspiel. Sie spielt eine besondere Rolle, er braucht sie und weiß, dass er bei ihr „angekommen“ ist. Trotzdem scheint er sie noch überzeugen zu müssen.

„But now your trouble’s behind you / Time is hurrying on”. Er möchte ihr klarmachen, dass er gut für sie ist, dass sie nicht länger zögern soll. Und das, was er möchte, „all that I want“ ist zunächst ein wirklich bescheidener Wunsch: „Reservier mir einen Samstagabend, lass mir einen Platz an deinem Tisch.“ Er will sie nicht im Sturm nehmen, sondern „slip into your heart if I might“, das ist eine gleitende Bewegung, sachte, natürlich und fast unbemerkt. Und zwar bei einem Gespräch am Tisch, er fragt nicht etwa, ob sie ihn mit ins Schlafzimmer nimmt.
„Und solange bleiben, wie ich kann“. Das sind keine bombastischen „forever“-Schwüre, sein Anliegen ist realistisch, sein Tonfall entschlossen, aber sanft.

Nachdem er in der ersten Strophe sein Anliegen geschildert hat, bietet er in der zweiten seine Qualitäten dar. Immer noch sehr auf dem Boden der Tatsachen, versichert er „I’ll be someone you count on / Sure, it’s hard to believe”. Jaja, wir kennen unseren Neil, das weiß er auch Nichtsdestotrotz meint er es ernst und bittet “But try just to keep me around, I’m yours”. Tja, was kann man da noch entgegnen? Auch das ist kein unmögliches Verlangen und einen Versuch ist es wohl allemal wert.

„Ich möchte nur da sein, wo auch immer du mich brauchst“. Auch im letzten Satz der Strophe baut er keine Luftschlösser, sondern sagt nur, was er möchte – ob sich das realisieren lässt, sei dahin gestellt, aber seine Absichten sind die allerbesten. Und mit dem Refrain, seiner bescheidenen Bitte um eine Chance, ihr Herz zu gewinnen, geht das Lied zuende.

Einfache Sätze, einfache Bitte, einfache Sache Neil versucht es ohne die üblichen, riesigen Gesten und bleibt trotzdem überzeugend. Sein Date wird sicherlich erfolgreich

September Morn

Die aktuelle Tour beschert uns schnell den ersten Showstopper – vom American Bandstand-Sound direkt in die Easy-Listening-Abteilung. Hier waren wir schon mal und repetieren kurz einen von Neils beliebtesten Lovesongs.

Das Thema ist auch hier der Tanz. Diesmal etwas romantischer eingekleidet, und doch haben wir im Hinterkopf, dass „tanzen“ stets auch Metapher für körperliche Harmonie ist. Aber es ist ein Neil Diamond Song (freundliche Grüße an M. Bécaud), und so kommt natürlich auch die geistig-emotionale Ebene nicht zu kurz.

Der Septembermorgen ist für Neil Anlass, an eine vergangene Liebe anzuknüpfen. Er trifft unvorhergesehen auf die Dame, die er zuerst „kaum erkannt“ hat, weil so viel Zeit vergangen ist.

Die zwei verbindet viel, sie „haben die Nacht durchtanzt“, waren einst „lovers“ und er „kann sie immer noch weinen hören“. Höhen und Tiefen und dann Jahre der Trennung.

Heute, so beschwichtigt er, will er sie aber nur „ansehen“ (ggf. für sie „singen“), aber in seinen Worten liegt natürlich der Wunsch, an die alten Zeiten -deren Beschwörung den Hauptteil des Songs ausmacht- und an das alte Gefühl anzuknüpfen.

„September morning still can make me feel that way“ singt er, und “we’ve traveled halfway ‘round the world to find ourselves again”, er empfindet die Begegnung als schicksalshaft. Nun ist er da, der September Morn mit all seinen Möglichkeiten. Still can make me feel…Das Gefühl von damals dominiert die Gegenwart und ist vielleicht ein Versprechen für die Zukunft.

Das ist, wie in Vol.I der „Linguistics“ dargelegt, eine meisterliche angelegte Schnulze mit allem, was es dafür so braucht. In der aktuellen Setlist darf das angeheizte Publikum sich dafür hinsetzen und Neils ausgeruhte Stimme genießen. Im September dann in Germany.

(Editor sez: Neil sang den Song auch bei den Reagans für Prinzessin Diana)

Shame

So: Wir springen locker  20 Jahre zurück in NDs Diskographie und landen beim Country-Genre. Auch gut! „Shame“, Schande/Scham ist der Titel. Es geht also um Ehre und Ansehen, um gesellschaftliche Werte, und da verdächtigen wir einen Country-Song eigentlich, recht konservative Ansichten zu spiegeln. Zumal er von Neil Diamond performt wird, der nicht gerade als Rebell bekannt ist. Oder?

Bevor es richtig los geht, werden wir –per gesprochener Verse- schonmal eingestimmt. Sein „check it out now“ nimmt uns vertraulich beiseite, wenn er verkündet, dass er nur „ein einfacher Mann“ sei. „But you’re my woman / And together we’re strong“. Ok, das war’s, mehr braucht man als Frau doch nicht zu hören eigentlich. Gemeinsam gegen den Rest der Welt. Wunderbar.
Neils gesungene Strophen sind aber doch ganz schön anzuhören, also lassen wir ihn das Bild mal vervollständigen:

The end of the road
Is lonesome and cold
Ain’t no place for makin‘ a stand
I got too much of you on my mind
Too much time on my hands

Der Lebensweg als „Straße“ ist eine gängige Metapher. Neils zitierte „road“ führt an einen „einsamen und kalten“ Ort, und so leistet er „keinen Widerstand“ gegen warme Gedanken, und die betreffen selbstredend eine Frau. Aber eine Verbindung mit ihr ist offenbar mit Hindernissen verbunden. Denn „manche Leute sagen / Es gebe keine Chance / Für uns, so weiterzumachen / Und unser Ding durchzuziehen“. Yay, diese Leute kennt wohl jeder. Und Zwänge, die festlegen, was ‘man’ darf und was nicht.  

I don’t care what they say
They never loved one like you

Ha, Diamonds Neil gibt sich in diesem Song kämpferisch. Er ist von seiner Liebe überzeugt und hat für sich entschieden, was wichtig ist und was nicht. Das Gerede von „some people“ ist es nicht!

Shame
It comes in ev’ry size
Touches many lives
Knocks on many doors
Shame
I’ve seen it in your eyes.
They hurt you with their lies
But words don’t count at all
‚Cause I don’t care what they say
There ain’t no shame in loving you

“Es ist keine Schande, Dich zu lieben”.

Liebe ist niemals eine Schande, und doch haben die Spielregeln der jeweiligen Epoche oft Leid statt Erfüllung gebracht. It comes in every size / Touches many lives. Neil benutzt hier die Technik der Personifikation, die Schande „klopft an viele Türen“ – diese Technik verwendet man, um Situationen noch anschaulicher, konkreter und nachvollziehbarer zu machen.
Zusätzlich wertet er direkt: er singt „their lies“, das Gerede der Leute hat für ihn überhaupt keinen Wert, „I don’t care what they say“. Er sieht, dass seine Loraine durch das Gerede verletzt wird und steht zu ihr; seine Priorität liegt bei seiner Liebe, nicht seiner Ehre. Das eigene Gefühl wiegt für ihn mehr als fremddefinierte Anerkennung.

Wir erfahren nicht, was genau über seine Liebe getratscht wird, und so erhalten seine Zeilen quasi Allgemeingültigkeit. Irgendjemand wird immer etwas Schlechtes sehen, selbst in etwas so Schönem wie der Liebe. Es ist immer die Frage der Perspektive.

Neil und seine „Loraine“ waren eine zeitlang getrennt, er hat sie zum Zug gebracht. Vielleicht haben sie sich zunächst dem Druck der Umgebung gebeugt? Aber sie wird zurückkommen, und Neil verspricht „once you’re back in my arms / You won’t be leaving again“

And I don’t care what they say
There ain’t no shame in loving you

Das ist die Wahrheit, auf die es ankommt. Seine Gefühle sind wahrhaftig, und “words don’t count at all”, vor allem wenn sie von Leuten kommen, die die Beziehung nur von außen und nach fragwürdigen gesellschaftlichen Maßstäben bewerten.

Mr. Diamond verkündet hier große Erkenntnisse in einfachen Worten. Es ist eine alltägliche Wahrheit, und so verwendet er kurze, prägnante Sätze – die Sprache des „einfachen Mannes“, der er laut eigener Angabe ist.
Seufz. Das Leben, die Liebe könnte vielleicht einfacher sein, wenn jeder diese Einsichten einfach mal beherzigen würde.

 

 

Shilo

Über diesen Song hat Neil uns einiges verraten – es geht um eine imaginäre Freundschaft seiner Kindheit. Weil er inmitten des trubeligen elterlichen Geschäfts oft einsam war, hat er sie gebraucht:

Einen interessanten Namen hat sich ND hier gewählt, der ist nämlich biblischen Ursprungs und bedeutet im Hebräischen soviel wie „Gesandte(r)“, eine andere Bedeutung ist „Frieden“. In der Bibel wird Jesus mit diesem Namen assoziiert. Mal wieder ganz großes, dramatisches Kino, aber das kennen wir ja…

Shilo, in Neils Version ohne „h“ am Ende, hat er sich ausgedacht („the only friend you can find / There in your mind“), um Zeiten unerträglicher Einsamkeit zu überbrücken. „Wenn niemand anderes kam, Shilo, bist Du immer gekommen und wir haben gespielt.“

Wir erfahren ein wenig über sein kindliches Sozialleben („Wenn Kinder spielen, scheinst Du alleine übrigzubleiben“) und über das arbeitsreiche Leben seiner Eltern. („Papa sagt, er würde liebend gerne bei Dir sein, wenn er Zeit hätte“) Auch Shilo selbst wird skizziert, „Young girl with fire“, „the way that she made me smile“, die von ihm geschaffene Figur sorgt für sein Bedürfnis nach Liebe und Freude. In der letzten Strophe entwickelt sie dann sogar ein Eigenleben:

Had a dream, and it filled me with wonder
She had other plans
„Got to go, and I know that you’ll understand“
I understand

So muss er befürchten, dass sogar der/die selbsterdachte Freund/-in ihn zurücklässt, eigene Pläne verfolgt und für ihn keine Zeit mehr hat. In einer Studioversion endet der Song mit Neils sehnsüchtigen Rufen. Ein kleiner, trauriger Song über einen traurigen Jungen.

Leider bleibt so jede kindliche Parallelwelt irgendwann unerreichbar. Seufz 😉

Sleep With Me Tonight

Wir bleiben beim Album. Nächste Eskalationsstufe: Neil fällt mit der Tür ins Haus. Aber Gemach! Es ist ein Diamond-Song und somit geht es natürlich nicht einfach nur um Sex. Das Körperliche ist für Mr. Diamond untrennbar mit Herz und Seele verbunden. Also:

Erstmal durchatmen, Leute. Ja, der Song heißt „schlaf heute Nacht mit mir“ und so direkt darf das wohl nur Neil Diamond himself anheim stellen. Allerdings ist er weit entfernt von jeglicher ‚Primitivität‘.
Es ist natürlich die Dame, die ihn so wagemutig sein lässt. „Something in your eyes tonight / Told me to stay“. Na gut, da hat er natürlich wenig Ausflüchte. Die beiden kennen sich und haben bereits eine gemeinsame Geschichte, Neil will sie in den Armen halten,„sich entschuldigen“ und ihr sagen, dass er heute mit ihr zusammen sein muss, „I need to“.

„Baby, won’t you let me in“ (Hahaha. Die Verfasserin wird das spätpubertäre Stadium wohl eher nicht überwinden.)
Also, weiter im Text, sie haben es „getrennt voneinander versucht“, „But here we are together again“. Da treffen sie wieder aufeinander, wie auch immer, Neil lässt uns keine Details wissen. Es zählt ohnehin nur, dass er jetzt bemerkt, wie sehr er sie vermisst hat. Vor allem „How much I’ve missed / You loved me once / Please, love me once again“. Hier nutzt er die doppelte Begrifflichkeit von „love“ im körperlichen und emotionalen Sinn. Und nun endlich, im zweiten Refrain erst, fällt die Frage „Can I sleep with you tonight?“, die er sofort mit weiterem Inhalt füllt. Die körperliche Vereinigung ist für ihn ein Synonym für vollkommene Gemeinsamkeit. Sein Ziel ist ein gemeinsames Leben, ein Neuanfang.

Let’s try it again
For one last time for the rest of our lives
Baby, be forgiving
What’s been done is done now

Die Kernforderung ist also „Let’s you and me be one“, auf allen Ebenen. Er sagt „Komm, schlaf heute Nacht mit mir“ und meint „Und bleib bis morgen / Oder vielleicht für immer.“ Ja, so geht das wohl.

Oh, yeah
Together

Slow It Down

Slow It Down“ heißt das Lied, “mach mal langsamer”. Neil hat mit seinem „Home Before Dark“-Album das Stadium der Altersweisheit erreicht, und auch hier teilt er reichlich Lebensklugheit mit uns, und zwar in jeder Zeile durch direkte Ansprache. Fast väterlich nimmt er uns Hörer beiseite und gibt guten Rat. Spannend wird es, wenn auch die musikalische Ebene dem Text angepasst wird und Neil im Wortsinn das Tempo drosselt, den Rhythmus wechselt und so unsere volle Aufmerksamkeit hat.

Zunächst hören wir aber eine temporeiche erste Strophe, musikalisch und textlich.

Mach schneller
Beeil Dich, Sohn
Wir müssen uns hetzen, wenn Du es schaffen willst
Mindestgeschwindigkeit
Wo braucht es Dich
Wenn Du Erfolg haben willst
Denke ich, Du musst
Aber bist Du wirklich sicher?

Es ist einiges auszuhalten
Aber ich habe eine Kur für mich

Holla, zu diesem Zeitpunkt sind wir schon atemlos vom Zuhören. Tja, wenn man im Business mithalten will, braucht man wohl wirklich eine „Mindestgeschwindigkeit“ und darf keine langen Pausen einlegen, aber es ist fraglich, wie lange man den Dauerlauf durchhält, auch wenn man es unbedingt will. Körper und Geist auf Höchstleistung.

Und hier tritt ND dann hörbar auf die Bremse, macht langsam und wir hören akzentuiert, was ihm „Heilung“ bringt und seine Akkus wieder auflädt. Ja, langsam machen!

Nimm Dir Zeit und Du wirst herausfinden, dass Zeit eine Bedeutung hat
Ganz ruhig
Erfass das Geräusch Deines Herzschlags, bevor er Dich verlässt

Was für ein Kontrast zu den Geschwindigkeits-Vokabeln der Strophe. „Mindestgeschwindigkeit“ wird mit der „Bremse“ entgegengesetzt und „Erfolg“ mit „Zufriedenheit“. Neil ermahnt uns, innezuhalten und das Selbst zu spüren, anstatt nur äußere Faktoren für die Geschwindigkeitsbestimmung gelten zu lassen. „Traction“ statt „steaming“, solider Grund statt heißer Dampf. Wow, was für ein Text, und er geht noch weiter. Und jetzt mag die Melodie dahineilen, der Text hingegen warnt vor zuviel Tempo im Leben. „Vergiss den Wettbewerb“ mahnt Neil, „Betrachte die Aussicht“

Make it flow
Let it go

Mit diesen Zeilen kann er jeden Selbstfindungs-Workshop leiten. Wann er wohl zu der „slow it down“-Erkenntnis gekommen ist? Und: Ist er das? Mr. Diamond dürfte wohl eher zu den Getriebenen zählen, aber vielleicht kann er im reifen Alter nun tatsächlich die „Aussicht“ genießen, zwischendurch.

Ein toller Song, über den ich mich live sehr freuen würde, aber das wird wohl nicht mehr passieren. Schade!

Smokey Lady

Dieser Song ist u.a. mit dem Meisterwerk „Holly Holy“ auf einem Album vereint, ist vom Sound her aber eher an die Frühphase angelehnt.

Vorweg: Nee, hier geht es nicht ums Rauchen!

Der US-Slang hat unzählige und völlig unterschiedliche Begriffe, mit denen man „smokey“ übersetzen könnte. Hier bezieht sich Neil auf ein Synonym für heiß/sexy, und eventuell auch darauf, dass seine lady zu Flunkereien neigt. „Smokey“ ist eine nicht ganz astreine Situation, in der klar ist, dass etwas faul ist.  

Die sexy Dame verbringt ihre Zeit damit, aus erwachsenen Männern kleine Kinder, Babys, zu machen. In diesem Alter hat man natürlich noch keine Impulskontrolle und Bedürfnisse aller Art müssen unmittelbar erfüllt werden, sonst gibt es Knatsch. Auf dieses Stadium reduziert, werden die Herren von der „Smokey Lady“ wohl magnetisch angezogen. Da kann man nur noch „move on“ raten, aber: zu spät.

But I’m just settlin‘
‚Cause I’ve been gettin‘ what I ain’t had lately
Smokey Lady, what you do to me

Er bleibt wo er ist, im Dunstkreis der Dame. Anscheinend kann sie ihm etwas geben, was er lange vermisst hat. (Und an dieser Stelle will ich nicht länger unter den Tisch fallen lassen, dass “smokey” auch eine nicht jugendfreie Bedeutung hat. Leider komme ich deshalb beim Hören nicht übers pubertäre Stadium und diese Assoziation hinaus. Ts, ts, ts. Lol.) Sie bringt ihn wortwörtlich in Fahrt, ohne richtig zu wissen, wie sehr. Und eigentlich ist ihr das auch eher egal:

Got me goin‘
Night time woman
Half not carin‘, half not knowin‘

Vorbei ist es mit der Contenance, statt nur distanziert-fasziniert zu sein, wendet er sich nun aktiv an sie. „Come on and take me”, oje,  “Have a good time flyin‘, half die tryin’”, was für ein Zustand, und so richtig nimmt sie ihn aber nicht wahr: “Smokey Lady run before me / Run behind me / Where you’re goin’”, er ist durch sie völlig verwirrt und ausschließlich damit beschäftigt, ihren flatterhaften Pfaden zu folgen. Hui, diese Dame scheint es wirklich drauf zu haben.

Ein atemloser Song, der Neil eine angestrengte Performance abverlangt, ohne die emotionale Bandbreite zu erfassen. Ts, ts, ts. Wer Neils Smokey Lady wohl ist?

 

Soggy Pretzels

Trotz der tränenreichen Szenerie provoziert der Song eher ein Grinsen als Seufzer. Denn Neil kontrastiert hochdramatische Gefühle mit einer recht profanen Umgebung .

Tatsächlich sind Bars ja ganz gute Schauplätze, um Kummer zu ertränken. Hier ergeht sich Neil sehr detailliert in der Beschreibung von -durch offenbar sehr übertrieben fließende Tränen-Sturzbäche- feuchtgeweinten Knabbereien, anstatt uns traurige Hintergrundgeschichten zu erzählen: den durchweichten Brezeln fehlt das Salz, der komplette Teller mit Kartoffelchips schwimmt bereits. „But, baby, just why, I’ll never know“. Was mit dem Baby los ist, bleibt im Dunklen. Dafür wissen wir genau, dass die Geschäftsführung der zahlenden Kundschaft das Produzieren von Chipsmatsch durch Tränen großzügig gewährt. Haha!

Was für eine Parodie auf die bekannten „Mädchen bekommt ihre Tränen von einem mitfühlenden Fremden getrocknet“-Nummern. „Ain’t nobody deserves to cry in his pretzels all night and wash away the salt“ deklamiert Neil, auch hier stehen die Brezeln und die reichlich fließende Tränenflut statt der Tragik eines schweren Schicksalsschlags im Vordergrund. So sind sie sich begegnet und „I’ll always hold you near“, es gibt ein Happy End für Neil und Baby.
Der Song wirkt durch das dramatische, leicht schnörkelige Arrangement und Neils ebensolchen Tonfall, die den augenzwinkernden Text begleiten und die Parodie perfekt machen. Cheers

Someone Who Believes In You

Und hier der nächste Song mit diamondschen Lebensweisheiten im Gepäck…Dass Reichtum und Ruhm im Leben nicht genug sind, hat er wohl selbst erfahren müssen.
Neil wendet sich direkt, quasi im Plauderton, an sein Gegenüber. „Glaub mir“, beginnt er seinen Song, „ich bin jemand, der an Dich glaubt“. Und es folgt eine Ansprache, die den Wert dieses Satzes untermauert.
Eine Million Dollar, die Garage voller Autos, das ist überhaupt nichts wert, ohne diesen jemand, der zu einem steht. Eine Hollywood-Karriere, das eigene Gesicht weithin bekannt…tja, „man käme viel herum, aber nicht weit ohne diesen jemand, der an einen glaubt.“

„Du bist der wahrhaftigste Teil von mir“ schiebt er ein, „der ruhige Ort, wo ich stark sein kann. Du erfüllst meine tiefsten Bedürfnisse, Du rufst meinen Namen und ich höre Dein Lied.“ Diese Beziehung ist ein Geben und Nehmen, man trägt und stützt sich gegenseitig, und das erfüllt.

Der zweite Teil des Songs ist symmetrisch zum ersten aufgebaut, wieder beginnt Neil mit „glaub mir, da ist jemand, der an Dich glaubt“. Wieder spricht er aus der erfahrenen Perspektive – Stars können auch einsam sein, und dann brauchen sie diesen jemand. Neils Gegenüber scheint tatsächlich eine Karriere im Rampenlicht anzustreben, wie das Ende des Songs verrät. „Also willst Du wirklich einen Job in diesem Zirkus / Mal Dein Gesicht an und bring die Leute zum Lachen / Ein Clown, komm mal runter“. Wer wüsste schon besser als Mr. Diamond, wie es einem geht, wenn die Scheinwerfer erloschen sind? „Du warst zu lange auf dem Hochseil / Wenn Du fällst, wirst Du auch nach jemandem rufen, der an Dich glaubt“. Jemand der da ist, wenn Dich sonst niemand braucht.

Es wurde in einem der vorherigen Postings bereits angesprochen, dass Neil hier vermutlich seinen Sohn Jesse adressiert. Ob das wahr ist, sei dahingestellt, jedenfalls ist das eine wichtige und schöne Erkenntnis. Geld und Ruhm können niemals den Wert von liebender Unterstützung ersetzen und das wird spätestens dann deutlich, wenn die Zeiten nicht ganz so rosig sind. You better have someone.

Soolaimon

Dieser Song ist Teil der “African Trilogy“. Neil hat sich mit dem Album „Tap Root Manuscript“ dem afrikanischen Kontinent verschrieben, der Wiege der Menschheit, ‚tap root‘ der Kulturen. 
Damals eher unpopulär, während Paul Simon et. al. ein gutes Jahrzehnt später mit ähnlichen Publikationen im Bereich „Weltmusik“ tonnenweise künstlerische Lorbeeren einheimsten (vgl. „Graceland“). Tja, dieser Verlauf zieht sich wie ein roter Faden durch NDs Karriere…

„Soolaimon“ als Teil 2 der Suite thematisiert Jugend und Adoleszenz, „Mann-Werden“, den Schritt ins Erwachsenenleben. Neil hat angegeben, dass der Titel auf dem arabischen „Salamah“ basiert, das als Willkommens-, Abschieds- und Friedensgruß verwendet wird. Perfektes Symbol für das Thema des Songs: Ende der Kindheit, Beginn eines neuen Lebensabschnitts, Ausdruck der persönlichen Einstellung. Soolaimon!

Textlich und musikalisch vereint das Lied Strophen und Refrain als sehr unterschiedliche Teile. Die sparsamen, wohlgesetzten, ruhigen Worte der Strophen kontrastieren mit dem druckvoll-rhythmischen „Soolaimon“ und den Gospelelementen im Refrain.

„Come she come say“ imitiert den Dialekt des afrikanischen Englisch mit verkürzten Wortendungen. Die Dame spricht zu Neil, sie lockt ihn. „Ride on the night“ kann auf verschiedene Art interpretiert werden, als sexuelle Aufforderung, als spiritueller Rat, als kontemplative Formel. „Mache Dir die Nacht zu eigen, die Sonne wird zum Tag, der Tag wird für Dich sorgen“. Soolaimon!

Das spirituelle Element wird im zweiten Refrainteil deutlich, „Gott meines Wollens, Herr meiner Bedürfnisse, er leitet mich“. Tja, und er leitet ihn „zum Weib, sie tanzt für die Sonne“. Die Sonne, das lebensspendene Symbol (auch im religiösen Sinn) kennen wir aus diversen Songs, man erinnert sich an das spätere „Be“ und den „Sonnengott“.

Auch im zweiten Teil lockt das Weib, „she callin‘“ mit der kryptischen Zeile „Bring home my name / On the wings of a flea“. „Bring home“ ist im Wortsinn etwas verständlich machen, klar stellen. Und ein Floh hat zwar keine Flügel, aber es wirkt so, als ob er fliegen könnte, weil er durch seine Sprungkraft Strecken überwindet. In dieser Strophe geht es also darum, Hindernisse zu überwinden, physisch und psychisch, für eine Idee, für eine Person, für eine Leidenschaft. Der „wind in the plains“ kommt als Naturgewalt hinzu, und während die Dame gerade noch „für die Sonne“ getanzt hat, bittet Neil nun „dance once for me“, der Tanz als Symbol der Ekstase verlagert sich vom religiösen auf den romantischen Bereich. Hier geht es nicht um das Anhäufen von Statussymbolen, um Ruhm und Ehre. Hier ist Sinnsuche das Thema, ein Loslassen zugunsten von Hingabe auf verschiedenen Ebenen, um den Platz im Lebensgefüge. Willkommen und Abschied in Frieden und Einklang mit der Welt.

So deckt Neil mit minimalen stilistischen Mitteln tatsächlich das Lebensthema ab, er vertont eine Philosophie, eine Lebenshaltung. Vertrauen in den Schöpfer, Leidenschaft, Energie. Sein „Soolaimon“ wird zum Ausdruck eines erfüllten Daseins, zum Feldgeschrei des Lebens.

Für mich war „Soolaimon“ immer ein Favorit und einer meiner Lieblingssongs. Insbesondere live konnte das Stück mit der Publikumsinteraktion eine ähnliche Faszination entwickeln wie „Holly Holy“. Wahnsinn, ganz groß! 🙂

Stagger Lee

Steigen wir mal wieder in die Fachthematik ein! „Stagger Lee“ ist zwar ein Cover vom „September Morn“-Album, Neil hat den Song nicht geschrieben, aber das Lied ist thematisch hochinteressant.

Es geht in dem Song um die wahre Geschichte des buchstäblich umhauenden “Stagger” Lee (Shelton), der seinen Freund Billy (Lyons) ausgerechnet an Weihnachten im Streit getötet hat. Und zwar Anno 1895. Beide gehörten dem Zuhältermilieu an.

Woher der Spitzname “Stagger” kommt, ist unklar, da es auch verschiedene Schreibweisen des Namens gibt. Stagger, Stagolee, Stackerlee…
Die genauen Umstände der tatsächlichen Tat sind nach all den Jahren nicht mehr rekonstruierbar, aber Stagger Lee ist einer der ganz fiesen Figuren, die Songs bevölkern können. Kaltherzig und dann auch noch schwarz… (Der historische Mr. Shelton war Afroamerikaner.)

Neil wählt die düstere Textversion. Es gibt tatsächlich eine zahmere Variante, in der die Herren um eine Lady streiten und keine Toten vorkommen, aber bei ND kommt untypischerweise keine Frau ins Spiel. Stattdessen fließt Blut. Dabei fängt es so harmlos-melodisch an, eine klare Nacht mit „gelbem“ Mond und sachte fallenden Blättern…

Die Geschichte im Song wird von einem unbeteiligten ND erzählt:

I was standing on the corner
When I heard my bulldog bark
He was barking up at the two men
Who were gambling in the dark

Der bulldog ist ein Wachhund. Sein Bellen signalisiert Gefahr. Denn redliche Spaziergänger werden von dieser meist bestens trainierten Schutzhund-Rasse nicht verbellt, da muss schon etwas in der Luft liegen. Die zwei Männer sind natürlich Lee und Billy, und die Tatsache, dass sie spät nachts Karten spielen anstatt brav am heimischen Herd zu weilen, ist verdächtig. Stagger Lee ist, wie wir hören, auch reichlich schlechter Laune. Er hat bereits alles an Billy verloren, „all sein Geld“ und den „brandneuen Stetson Hut“. Uh, das riecht nach Ärger und Lee kündigt definitiv nichts Gutes an, „Ich kann Dich so nicht davonkommen lassen“.

Stagger Lee eilt dann umgehend nach Hause, um seine Pistole zu holen. Er schmeißt also nicht einfach in einer wütenden Aufwallung den Tisch um und schlägt um sich, sondern plant seine Schritte. Das wird ein Mord, kein Totschlag.

Da der Songtext zu großen Teilen aus wörtlicher Rede besteht, können wir uns ein direktes Bild von Stagger Lee machen. “I’ m going to the bar room / Just to pay that debt that I owe” sagt er zynisch, und schuldet dem armen Billy sicher keine Kugel. So handelt kein anständiger Mensch, und es wird noch schlimmer, denn der arme Billy bettelt um sein Leben:

“Stagger Lee”, cried Billy
“Oh, please don’t you take my life
I got me three little children
And a very sickly wife”

Die verzweifelten Appelle nutzen nichts. Stagger Lee schießt lässig auf und durch Billy, „That the bullet came through Billy / And went right through the bartender’s glass” – so dass wir uns den geringen Abstand vorstellen können und wie Stagger Lee dem armen Billy in die Augen sieht, während er abdrückt. Trotz Frau und Kindern, mitleidlos. Was für eine Moritat bekommen wir da geschildert, kein Wunder, dass Neils Hund bellt…

Stagger Lee Shelton und William „Billy“ Lyons lebten damals in St. Louis und ihre grausame Geschichte wurde durch den Song unsterblich. Neil fügt das Stück mit seinen bluesigen Wurzeln in seine „September Morn“-Umgebung ganz passend ein. Der einfach strukturierte Text wirkt durch die viele wörtliche Rede sehr unmittelbar, wir teilen die Beobachterposition, sind voll in der Szenerie und so schockiert das Geschehen so direkt, als wären wir tatsächlich Zeugen der Tat. Wir verabscheuen Lee spontan. Auch wenn der Song im Barmilieu spielt und Billy nicht beim Kirchgang getötet wird, sind die Sympathien auf seiner Seite, er hat eigentlich nichts falsch gemacht, es gibt keinen konkreten Hinweis auf gezinkte Karten.

Die Diamond-Version ist grundsätzlich ansprechend, aber ohne die bleibenden Eindrücke anderer Versionen. (Wobei Nick Caves mit weiteren, recht expliziten Zeilen versehenes Schwulendrama dann doch too much war).

Stagger Lee hat im Lauf der Zeit einige Wandlungen durchgemacht, vom bösen Schwarzen zur Symbolfigur gegen Repressalien durch “Weiße”.

Neil Diamond singt uns situativ und farbneutral von menschlichen Abgründen. Go, Stagger Lee

 

Stones

Die drei Strophen nutzen in Bezug auf das immergrüne Thema Liebe jeweils die Symbolik von Fruchtbarkeit, Saat und Ernte. Der Songtitel erfährt dabei im Verlauf eine Bedeutungswandlung.

Im ersten Vers wird die Metapher „Steine“ dreifach verwendet. Steine rollen in ihrem Kopf, bilden ihr Lager und sind das, was sie nach Liebe sehnend zurückerhält. Schmerz, Brache, Tod ist das Bild.

Dann kommt Vers 2 und „Herrgott, Kind“ stößt Neil aus und nimmt dabei die Rolle des tröstenden Beschützers ein. Ein guter Tag wird kommen, und er ergänzt das Bild der wüsten, toten Steine durch „I’ll be there to let the sun in“. Leben, Wärme, vielleicht auch ein wenig spiritueller Trost, denn „bein‘ lost is worth the comin‘ home“. Nämlich „on stones“, wie der Refrain jetzt ergänzt wird. Tote Steine können durchaus eine Straße hin zum Leben pflastern.

Und Leben zeigt das Bild im dritten Vers, „you and me“ vereint, „a time for planting“, der tote Boden wird fruchtbar gemacht, es wird gesät und „a harvest granting“, durch alle bisherigen Gebete ist der Ertrag gewährt. Und das ist Liebe: Zwei Feldblumen wachsen auf Stein („we’re just two wild flowers“), ein grandioses Bild. Sieg des fruchtbaren Lebens, der biegsamen, zarten und doch widerstandsfähigen Pflanzen über harten und starren Boden. Stein, Schmerz, Brache können das Leben, die Liebe und die Schönheit nicht am Wachsen hindern.

Sehr schön durchkonzipiert und ein stimmiges Schlussbild. Daumen hoch 🙂 

Interessant sind die deutlichen religiös-spirituellen Bezüge. Lordy, prayer, das „verlorene Kind“, säen und ernten. Man müsste mal nach passenden Stein-Gleichnissen recherchieren, ich bin nicht sehr bibelfest. Für mich bleibt es eher ein love song als ein spiritual

Surviving the Life

Neils Titel spielt nicht nur auf den alltäglichen Überlebenskampf an, also irgendwie durchzukommen. Es geht vielmehr darum, „im Leben zu bestehen“, es gut zu machen und andere zu inspirieren. Wie das geht, „what it’s really about“, das verrät er uns als in diesem Lied. The wise man, he knows…

Und seine Formel ist simpel, seine Strophen umfassen nur wenige Worte und sagen doch alles. „Die Seele versorgen“ hat absolute Priorität:

Providing the soul,
It ain’t easy to do
When you got to get through
Any way that you can
Join the family of man
Providing the soul

Natürlich ist das im Alltag nicht so leicht, wenn Sorgen drücken und man schon mit dem Existieren reichlich beschäftigt ist. Trotzdem kann man nicht „überleben“, wenn man nur den Körper versorgt. Es ist die Seele, die den Menschen definiert, und die braucht ebenso Nahrung und Pflege. Neil formuliert das ganz konkret, „Pass the plate that serves it / Every heart deserves it / You and me, we do”. Oh ja!
Sicherlich “ist das Leben nicht einfach”, aber hat er nicht recht mit seinem „but it ain’t that bad“? Wenn man genau hinsieht, findet man auch im grauesten Alltag seine kleinen hellen Inseln. Allerdings ist man selbst keine, sondern gewinnt im Miteinander mehr, als man jemals geben kann. Nämlich dann, wenn man „sein Herz öffnet“. „Life ain’t easy, but it ain’t that bad“, das kann man als Leitspruch für jede Motivationsveranstaltung hernehmen, es funktioniert als täglicher Sinnspruch. Weil es stimmt.

Und spätestens mit dem Refrain hat man dann den Ohrwurm des Tages fest im Kopf:

Sing the song that tells it
Praise the man that sells it
You’re alive, you might as well be glad

Neils Lebensweisheiten kann man sich täglich sagen und genauso in die Welt hinaus tragen. Es ist die eigene Einstellung, die einen „im Leben bestehen“ lassen. „You might as well be glad“, genauso geht das! Nicht nur irgendwie mitzuschwimmen, gerade so zu überleben, sondern trotz aller Widrigkeiten seinen eigenen Weg auch auszukosten.

Und so fasst er am Ende die seine Strophen umrahmenden Leitphrasen zusammen, sie sagen alles.  

Providing the soul,
Revealing the heart,
Surviving the life

Was für ein wunderbarer Song, gar nicht so ND-typisch, aber großartig auf allen Ebenen. Und jetzt: singen!

Suzanne

Heute also ein Cohen-Cover, das in der Diamond-Version sehr schön zu hören ist.

Wenn Neil Diamond „Suzanne“ besingt, ist das ungefähr so, als ob Mr. Cohen erst „I Am…I Said“ und direkt hinterher „Play Me“ darbrächte. Dieser Song ist untrennbar mit LC verbunden, so wie Suzanne es war, und dieser Song ist quasi ihr Denkmal.

Suzanne , so hieß sie tatsächlich, lebte im Hafen von Montreal, „her place by the river“ und war damals Teil der Beatnik-Szene, weswegen Cohen sie womöglich als „half crazy“ wahrnahm. Ihre unkonventionelle Lebens- und Denkweise, auffällige Kleidung und ihr Beruf als Tänzerin machten sie zu einem Paradiesvogel.„You can spend the night forever” heißt es, und “you know the girl’s half crazy / And that’s why you want to be there”.

And just when you want to tell her
That you have no love to give her

She gets you on her wavelength
And lets the river answer
That you’ve always been her lover

Cohen war nicht nur fasziniert, sondern emotional und spirituell tief mit Suzanne verbunden. Allerdings war sie verheiratet, was beide trotz aller Freigeistigkeit –zumindest laut ihrer Aussagen- davon abhielt, der Beziehung eine sexuelle Ebene hinzuzufügen. Ihr „perfect body“ wurde nur durch „his mind“ berührt. So trafen sie sich zu endlosen, tiefen Gesprächen und aßen (ratet mal) Orangen dazu. Ja, es gab auch Tee.
Ihre zahlreichen Spaziergänge führten sie u.a. zur Seefahrerkirche “Notre Dame de Bon Secour” („our lady of the harbour“) , und nicht nur „Jesus was a sailor“, sondern „All men are sailors then / Until the sea shall free them“.

And the sun pours down like honey
On our lady of the harbor

And she shows you where to look
Amid the garbage and the flowers
There are heroes in the seaweed
There are children in the morning
They are leaning out for love
And they will lean that way forever
While Suzanne holds her mirror

Cohen nimmt uns mit in eine Szenerie, die in warme Farben getaucht ist. Sein Text ist rein beschreibend, jedes Detail entspricht seinen Erlebnissen mit Suzanne und wir werden so Zeuge dieser besonderen Beziehung. Es mutet fast wie eine Ironie des Schicksals an, dass u.a. mit diesem Song LC zum internationalen Star aufstieg, was ihn letztendlich von Suzanne entfremdet hat. Die intensive, gemeinsame Zeit ging zuende, was blieb, ist dieser wunderschöne Song.