Knackelflerg

Wo ich gerade bei „Velvet Gloves…“ bin: Reden wir doch mal über KNACKELFLERG!

Ein putziger Song, und Neil hat ein putziges Wort für sein romantisches Gegenüber, weil sie „schrecklich gut“ war. Ok, „toll“ wäre auch eine passende Übersetzung, aber wenn er schon die Vergangenheitsform wählt -„you’ve been awf’lly fine“, während er ansonsten im Präsens formuliert -„what you mean to me“ dann…ts, ts, ts.

(edit: Äh, jetzt müsste ich eigentlich auf das titelgebende Wort per se eingehen. Im Lexikon ist es nicht zu finden , klingt wie ein Kosename und Neil behauptet im Song, er hätte nie ein aussagekräftigeres Wort gehört im Gesamtzusammenhang. For sure. Muss man gerührt sein, weil er eine Eigenkreation für seine Gefühle schafft…oder entsetzt, weil er -möglicherweise- einen recht rüden Begriff als Grundlange dafür nimmt?
Anglophilen Hörern werden nämlich sofort zwei Assoziationen in den Kopf kommen aber…ich weiß nicht, ob Neil das tatsächlich beabsichtigt hat und kenne auch nicht die umgangssprachlichen Ausdrücke von vor 50 Jahren. Deshalb überspringe ich das Weitere mal dezent. Legt man heutigen Slang zugrunde, unterminiert der Begriff alle anderen Aussagen und Assoziationen von Süßholzgeraspel und wäre wenig schmeichelhaft für die angesungene Dame…quasi in der broad-old-woman-Liga. Uff. Als nächstes muss dringend ein anderes Songkaliber drankommen.)

Moment mal, ist das jetzt romantisch? Immerhin macht er sich hier ja noch die Mühe, einen Ausdruck für das zu finden, was sie ihm bedeutet. Knackelflerg! 40 Jahre später wird ihm gar nichts mehr dazu einfallen: „No Words“ Aber vielleicht schwimmt ihm dieses Wort dabei ja noch im Kopf herum, hahaha! Trotzdem ist das Gesamtergebnis „ohne Worte“ mit viel tieferen Gefühlen verknüpft. Dazu aber mehr zu einem späteren Zeitpunkt.

Wörter. Ja, darüber müssen wir dringend sprechen, Mr. Diamond. Was ist wohl ein „klarg“? Und auf welche „silly“ Art und Weise kann man den halten? Oh je, Kopfkino. Vor 25 Jahren hat mich der Text zu diesem kleinen Lied über Wochen beschäftigt. Ach was, Jahre!
Ohne Internet musste man den Text selber aufschreiben und verstehen. Obwohl ich mir -extra für Knackelflerg!!- ein Synonym- und ein Slangwörterbuch gekauft habe, blieb mir der Wortlaut rätselhaft. Was eventuell gar nicht schlecht war, denn als ich endlich die Lösung erfahren habe, drängte sich mir der „Vergleich“ mit Frank Zanders „Susi“ auf. Und nein, an diesen Song möchte ich nicht denken und schon gar nicht im Zusammenhang mit einer Neil-Platte.
Und nun zur klassischen Phrase „that boop of yours“. Ist das gewollt, Neil, DIESE Assoziation?! Ich bin erschüttert. (Was „boob“ übersetzt bedeuted, wissen wohl alle hier. Außerdem muss ich jetzt an Max Fleischers Betty denken ) Und das mit den Augenbrauen, die in Flammen stehen, hätte ich doch auch gerne mal weiter erläutert
Was von der Melodie her so harmlos daherkommt und beim ersten Hören nach 0815-Iloveyou-lala klingt, ist ganz schön frech.

Aber so geht es öfter zu bei Neils Werken – oberflächlich kann man sie gerne als seicht oder glatt missverstehen…wenn man sich ein wenig damit beschäftigt, kommt Erstaunliches zutage.