Juliet

„Juliet“ ist ein Beispiel für einen von Neils unterschätzten Titeln. Dieser Song lebt von seiner Stimmung und der transportierten Emotion. Melodie und Stimme sind die wichtigen Elemente, und wahrscheinlich würde man auch erraten, worum es geht, wenn Neil Kisuaheli sänge. Nicht umsonst kommt der Refrain ohne „Worte“ aus!

Folglich braucht es her auch keine ausgeschmückten sprachlichen Schleifen, keine Metaphern oder Bezüge zu hochgeistigen Zusammenhängen. Neil singt geradeheraus aus dem Herzen, mit einfachen Worten beschreibt er und das trifft den Hörer auch genau auf dieser emotionalen Ebene. Sprachlich wird das an den Auslassungen deutlich: „tryin'“, „‚bout“, „wanderin'“. Das ist Alltagssprache, nicht die hehren Worte des Poeten. Hier spricht einfach ein Mann mitten aus dem Leben.

In der ersten Strophe beschreibt er seine Situation voll Sehnsucht und sagt klar und schnörkellos „ich warte auf Dich“, „ich brauche Dich“. Wir erfahren nichts über die Dame, ist sie schön? Welche Rolle spielt sie in seinem Leben, wo ist sie und warum? Egal, denn er verzehrt sich vor Sehnsucht und das ist hier sein Thema.
Seine unzureichende Lösung im nächsten Part: Tagträume. Tja, die sind schön für die Seele, helfen ihm aber nicht über die Nacht, die Bedürfnisse seines Körpers. Er liebt sie ganz und gar.
Und jetzt, nachdem man weiß, wie ihm zumute ist, wendet er sich an seine Juliet: „turn your eyes on me“, sie soll ihn ansehen, was sie da aus ihm macht. Er hat nur noch sie im Sinn, sie füllt ihn aus und macht ihn zum kleinen Jungen, der nur noch seinen brennenden Wunsch lebt.

Dann endlich schließt Neil das Bild, die Situation, fast hätte er schon die Hoffnung aufgegeben, doch da steht sie, seine Juliet. Er kann von der Gefühlsbeschreibung zur Situation übergehen. Und Juliet ist offensichtlich keine femme fatale, keine perfekte Lady. Sie steht da „ohne Schuhe an“ – das ist wohl eher der Eindruck eines Mädchens, unkompliziert, frisch, und sie bringt ihn doch um den Verstand. Mehr werden wir nicht über sie erfahren. You’ve gone and loved me, sweet Juliet, so einfach kann es sein.

So einfach kann ein Song sein, so effektiv und so schön, so voller Emotion. Wunderbar.
Bleibt noch die Frage nach dem Namen, Neil hat sich für diesen bestimmten entschieden und wir fragen uns warum? Gab es eine Juliet für ihn? Ist es eine Alliteration, J-, und meint er seine Jugendliebe Jaye? Oder erzählt er uns eine Geschichte, malt uns ein Bild? Das muss er uns wohl selbst mal erklären.