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Play Me (revisited)

Manchmal ist weniger mehr. Dieser Song ist ein wunderbares Beispiel, das völlig ohne Bombast auskommt, Melodie und kurze Sätze lassen Raum für das Wesentliche; und so rekapitulieren wir die schlichte Schönheit in aller Kürze. (Die ausführliche Abhandlung findet ihr in Vol. 1 der „Linguistics“ ).

Neil hat hier „seine“ Frau gefunden. Sie gehören zusammen wie Sonne und Mond, wie Worte und Melodie, und im Zusammenspiel der Partner entsteht das große Ganze. Sie ergänzen sich wie Tag und Nacht, „she was morning and I was night time“. Und so muss er weder nach dieser Liebe suchen, noch um sie werben, eines Tages wacht er auf und da ist sie, „lying beside my bed“. Das mag auf körperliche Anziehung anspielen, aber das ist in diesem Song nur eine Facette. „Come take me“ ist ganzheitlich gemeint, Körper, Geist und Seele.

„Sie“ inspiriert ihn („song she sang to me, song she brang to me / words that rang in me, rhyme that sprang from me”) und ist, als er seinen “schmalen und dornigen Weg” verlässt, Teil der ihn errettenden Gnade: Sie ist seine Sonne, ohne die er, der Mond, unsichtbar bleibt. Sie ist der lichte Morgen, der seine dunkle Nacht beendet.

„Worte“ und „Melodie“ vereinen sich zu Reimen und Neil sieht sich hier personifiziert in seinem Song. „Play Me“ wird zur existenziellen Bitte, erst durch „sie“ wird er lebendig. Wie schön.

Neben der Eigenkreation „brang“ (grammatikalisch korrekt wäre „brought“) wurde die Adressatin dieses Liedes öfter diskutiert. Ist es Marcia – oder doch seine Gitarre? Die Theorien gingen auseinander…