I Am… I Said

Ok. Jetzt macht Euch alle mal feierlic h, denn nun kommen wir zum Eigentlichen. Die Diamond-Essenz, authentisch und aus tiefstem Herzen, ganz stark und dennoch vielgeschmäht. Aber das muss ich Euch ja nicht auseinandersetzen, ihr wisst bescheid.

*****************Wunschsongtext: I AM I SAID*****************************

Der Legende nach entstand dieses Lied nach Neils Casting für den Film “Lenny Bruce”. Er selbst hat diesen Tag als schlimmes Versagen seinerseits empfunden, ob er wirklich so schlecht war, sei dahingestellt. (Der Film wurde später mit Dustin Hoffman in der Hauptrolle realisiert.) Ganz viel hat ND im Lauf der Jahre zu diesem Lied gesagt, dass er seine psychotherapeutischen Sitzungen darin mit einfließen ließ, dass es ihn bis heute stark berührt. Ganz klar, das ist sein signature song. Ausdruck von Frust und Verzweiflung, ein Schrei nach Liebe, nach Anerkennung der eigenen Existenz, Sehnsucht nach der Geborgenheit des Dazu- und Dahingehörens.

Inhaltlich schafft Neil im ersten Teil des Songs einen 1:1 Bezug zu seiner eigenen Biographie (der Erfolg brachte ihn von Brooklyn nach L.A.) und schafft für die Hörer somit eine direkte Verbindung zu seinem Inneren. Durch die Deckungsgleichheit der äußeren Umgebung gehen wir davon aus, dass es tatsächlich seine Empfindungen sind, die er thematisiert. Also:

Er befindet sich in L.A., und äußerlich findet er alles perfekt vor. Sonne satt, Palmen, alles entspannt und heiter. Ein Paradies, und trotzdem überlegt er, „zurück“ zu gehen. Zurück in seine Geburtsstadt New York, mit der ihn aber inzwischen gar nicht mehr so viel verbindet. „L.A. ist nett, aber nicht meine Heimat / New York ist Heimat, aber nicht mehr meine“. Zwischen L.A. und New York, auf dem Weg zum Stark, hat er „zwischen zwei Küsten“ jedes Zugehörigkeitsgefühl verloren. „Lost between two shores“ statt Heimat.

Im zweiten Songteil geht es um sein Innenleben. Seinen Aufstieg vergleicht er mit der Geschichte eines Frosches, der seinen Traum plötzlich wahr werden sieht und König wird. Märchenhaft, irreal. „If you talk about me, the story’s the same one“. Er nimmt sich aber weiterhin als Frosch war und nicht als König; Selbstzweifel statt majestätischer Selbstsicherheit.

Die „Verlorenheit“ aus der ersten Strophe resultiert in innerer Leere und Einsamkeit

But I got an emptiness deep inside
And I’ve tried
But it won’t let me go
And I’m not a man who likes to swear
But I never cared for the sound of being alone

Inmitten von schönstem Sonnenschein, auf der Welle des Erfolgs kann er nicht jubeln, seine eigenen Leistungen nicht wertschätzen. Er fühlt sich verloren und unsicher, ohne einen konkreten Grund nennen zu können. Ihm fehlt eine Basis, ein „Dazugehören“, er sieht sich losgelöst aus jedem sicheren Gefüge. Sein Refrain ist sein Aufschrei, sein Statement und Selbstäußerung: Hier bin ich, nehmt mich an.

I am, I said
To no one there
And no one heard at all not even the chair
I am, I cried
I am said I
And I am lost and I can’t even say why
Leavin‘ me lonely still

“No one heard at all”, meint Neil, sein Song endet ohne versöhnliche Aussicht, “leavin’ me lonely still”.

Erfolg ja, Erfüllung nein, und so bleibt er auf der Suche. Und wahrscheinlich ist es genau das, was ihn jahrzehntelang weiter antreiben wird.