Hell Yeah

Zur Hölle, ja. Neils Titel ist aus tiefstem Herzen ausgestoßen. Nicht einfach „ja“, auch kein „oh yeah“, dieses erdige „hell yeah“ drückt allergrößte Zustimmung aus. So muss es sein, und das ist gut, denn es geht um Neils Leben.
Im ersten Strophenaufbau nimmt er zunächst unsere Perspektive ein. „If you’re thinking that my life is a hoot and a holler….and that it’s ringin‘ like a bell“. Ja, denken wir doch, oder? Lustiges Leben als etablierter Musiker, immer Applaus und begeisterte Fanrufe in den Ohren…wow, das ist es.

Jetzt nimmt er uns beiseite und lässt uns ganz nah teilhaben an seiner Sicht: „Gotta trust me“ sagt er, wie ein Freund, „ich versuche nur, es richtig anzugehen.“

Was jetzt kommt, ist kein stolzer Karriereabriss mit Hinweisen auf vollbrachte Meisterleistungen. Der Tonfall ist bescheiden, fast demütig und gleichzeitig ermutigt er uns, unsere Lebensträume ebenso zu verwirklichen.
Ein „glücklicher, alter Träumer“, so sieht er sich. Und dann der erste Refrain als Antwort auf die Frage, ob es wert war, was er „bezahlt“ hat. (Und bezahlt hat er wohl einiges, Beziehungen, Familien sind zerbrochen, ein Leben on tour fernab jeder Normalität.) Was antwortet er?

„Zur Hölle, ja“. Es war all das wert, alles, „I loved it all“, “I freed my soul”, obwohl ein wenig Schuldbewusstsein dabei ist („I’m not too proud“). Und so richtig als Teil des „crazy life around me“ fühlt er sich immer noch nicht, aber „it’s all the life I’ve got until I die“. Und zur Hölle ja, das will er so und nicht anders.

Mit der nächsten Strophe gibt er uns dann seine Botschaft weiter. Er hat uns „nicht mehr viel Zeit zu geben“ in dem Bewusstsein „been around a good long while“. Und so sagt er uns „schnell“, solange das noch geht, dass wir unserer Zeit Bedeutung verleihen müssen, sie sehr sorgfältig überlegt verbringen sollen. „You be careful how it’s spent cause it isn’t going to last“. Und wieder wird der Refrain durch Fragen eingeleitet, diesmal nicht an Neil selbst, sondern solche, die seine Zuhörer sich stellen mögen. „Werde ich es je schaffen?” „Soll ich diese Chance nutzen?“ „Soll ich glauben, dass ich es kann?”

Zur Hölle, ja, wirst Du! Weiß der altersweise Neil aus Erfahrung. „Du wirst okay sein, vielleicht vom Weg abkommen aber dann wirst Du Dich zurechtfinden. Geh nicht alleine, hab keine Angst“. Und es folgen drei wunderschöne, optimistische Zeilen, die wir uns hinter die Ohren schreiben können:
This life is here and it’s made for livin‘
And love’s a gift that’s made for givin‘
You give it all away and have it still
And Hell yeah you will

Zur Hölle, Neil, das ist großartig. Merken wir uns!
Mit der letzten Strophe bezieht er sich wieder auf sein Leben “im Goldfischglas”, stets begafft, “meine Füße auf unsicherem Grund und mein Kopf oben im Himmel”. Hört sich nicht sehr gemütlich an, “aber das ist, wo ich sein will”. „It’s a life that’s made for caring, Got a song to pass the day / And a girl to share the night”. Er ist dort, wo er sein möchte.

Ein letztes Mal kommen die den Refrain einleitenden Fragen und diesmal sind es die Kernfragen, die uns bewegen. War dies alles, was er je wollte? Weiß er, dass er vermisst werden wird „when he had to travel on“, nach seinem Tod? Neil hält weiter die Position eines guten Freundes und Vertrauten, denn er sagt uns seine Antworten, uns, seinen Zuhörern mit dem Hinweis „So if they ask you when I’m gone…You can tell them this…“. Er öffnet sich uns und wir kennen seine Antworten:

Zur Hölle, ja, das tat er! Er sah alles, brachte es ordentlich hinter sich, musste nie kriechen, weinte ein wenig, aber nicht zu lange. Zur Hölle, ja, er hat das Leben gefunden, das er suchte, füllte es mit Liebe und Lachen, machte es am Ende alles richtig und passend.

Zur Hölle, ja.
Und während ich das schreibe, muss ich schon wieder sentimental werden. 😉
Das ist Neils Song, zur Hölle, ja!!!!

edit: Sprachlich interessant ist die sachlich-distanzierte Stimme der „dritten Person“. Neil verwendet am Anfang des Songs „I“ und „me“ („he“ als Zitat), wendet sich dann an „you“, um am Ende des Liedes von sich als „he“ zu sprechen. Er löst sich also aus der begrenzten Ich-Perspektive, hat den kompletten Überblick über das, was vorgeht und seine „Weisheiten“, sein Urteil haben deshalb noch mehr Gewicht. Die Song-Konstruktion unterstützt die Aussage