Guitar Heaven

Auch das nächste Lied auf dem Bestellzettel ist von „On the Way To the Sky“. Neil arbeitet auch auf diesem Album mit sehr üppigen Arrangements…Das gehört zwar zu seinen Markenzeichen, bekommt aber nicht jedem Song.

Dies ist zwar die „Linguistics“-Rubrik, die sich in erster Linie mit Songtexten befasst, aber letztendlich besteht ein Lied aus dem Zusammenspiel der verschiedenen Ebenen. Aber starten wir mal. Mit dem Text! 😉

 

Neil malt uns zum Einstieg ein Bild, “Hey kleiner Junge, Du sitzt einfach auf Deiner Veranda herum / Zupfst auf Deiner Gitarre / Wünschtest, Du wärst weit weg“. Auf dem Weg zum Erwachsenwerden will wohl jeder der schnöden Realität irgendwie entfliehen. Man sucht sich seinen eigenen, kleinen Bereich – und dieser Junge ist nun eben versunken in sein Gitarrespiel, es gibt gerade nur ihn und sein Instrument.

 

Die Szene löst etwas aus in Mr. Diamond („A dream I see in your eyes / I hear it in the songs you play“), und er schafft eine Verbindung zu seinem eigenen Erleben, gibt quasi väterlichen Rat. „Spiel es so, wie Du fühlst“, singt er, „wie ein Gebet, das von Herzen kommt / Gib alles, was Du von Herzen geben kannst“. Wenn er so spielte, diese verzückten Klänge hörte, so meint Neil, dann fände er sich direkt im „Guitar Heaven“‘ wieder, im Gitarrenhimmel.

 

Ohne, dass es dabei Worten bedürfte, kann man dort seine Sorgen vergessen, man „fühlt jeden Klang“, „vergisst seine Sorgen“ und will „die ganze Nacht bleiben“. Das kann natürlich jeder Musikfan nachvollziehen, der in seinen Lieblingsklängen schwelgen kann und davon erfüllt wird, egal wie stressig der Alltag gerade ist. „The way you play that song / Makes me want to smile“.

 

Soweit der Text, der eigentlich ganz hübsch ist. Und auch die schlagereske Feelgood-Country-Schlagermelodie ist recht mitreißend, sehr nett. Aber irgendwie passt das für mich insgesamt nicht richtig…Der suchende Junge auf der Veranda mit seiner Gitarre beschwört eigentlich einen anderen „Himmel“ mit subtileren, intimeren, echten Gitarrenklängen. Stattdessen dominieren immer wieder penetrant die Streicher, was ja an sich nicht schlecht ist, aber was machen die im „Guitar Heaven“? Neil hat mit „And the Singer Sings His Song“ bewiesen, wie bezaubernd er die Magie von Kindheitserfahrungen umsetzen kann. Schade, dass das hier nicht gelungen ist, der Song hätte vermutlich einiges Potenzial gehabt mit seinem direkten Bezug zu NDs eigener Biographie.