I Haven’t Played This Song In Years

Der Frühling ist da und wir wenden uns mal der leichteren Muse zu: Neil Diamond goes Schlager – deutsche Coverversionen sind ein weites Feld. 😉 Während es früher selbstverständlich war, landessprachliche Texte zu internationalen Hits anzubieten und nicht selten der Originalinterpret selbst vors Mikro trat, werden solche Versionen heute nur noch einem Nischenpublikum angeboten.

Schauen wir mal, was an deutschen Versionen von Neil-Diamond-Stücken so zu finden ist. In diesem Fall heißt das, sich erstmal ganz locker zu machen. Natürlich reicht keine deutsche Version an Neils Original heran, der jeweilige Interpret muss große Erwartungen erfüllen. Neil Diamond ist kein technisch perfekter Sänger, seine Performance lebt von den Brüchen und Unperfektheiten in seiner Stimme. Während seine Melodien oft eingängig und leicht klingen, sind viele Texte komplex und hintergründig, dieses „Gesamtpaket“ ist schwer zu übertragen und jede Adaption muss eigene Prioritäten setzen.

Das gelingt nur den Meistern des jeweiligen Fachs. Gelungen ist z.B. Karel Gotts „Ein besonderer Klang“ („Beautiful Noise“). Gott ist ein fähiger Sänger und nicht nur in seinem Heimatland eine absolute Institution. „Die goldene Stimme aus Prag“ mag mit den deutschen Endsilben ringen, darf aber einen soliden Text präsentieren. Ich habe ein bewegtes Video ausgewählt, wobei die Tänzerinnen im Hintergrund nicht zur Qualität und Ernsthaftigkeit beitragen, aber so musste Fernsehen damals. 😉

Auch Peter Alexander hat wenig falsch gemacht. Sein „Song in blue“ („Song Sung Blue“) ist auch im schlageresken Kontext absolut akzeptabel. Als versierter Entertainer bringt er einen pseudo-tiefgründigen Text, den man ihm aber durchaus durchgehen lässt, schließlich ist er nicht Udo Jürgens…

Dem können wir dann direkt eine abgründige Variante gegenüberstellen. Bevor Tom Astor den Stetson aufsetzte und junge Adler fliegen ließ, gesellte er sich zur Armada der Schlagerfuzzis und gab das textlich unterirdische „Komm, komm, komm, Mädchen meiner Träume“ (ebenfalls „Song Sung Blue“) zum Besten…Auch jenseits des eisernen Vorhangs konnte man dieser Platte lauschen, dort in der Version von Frank Schöbel.

Gesanglich mag das jeweils nicht beim Bügeln stören, aber beim Text handelt es sich um reinsten Flachsinn. Alexander, bitte übernehmen Sie! (Und dann holt man sehr, sehr flott wieder die Originalaufnahme hervor. Neil Diamond ist nicht zu ersetzen. Ernsthaft.)

Vielleicht hätten Tom & Frank sich zu Herzen nehmen sollen, was der Text hergibt…“Was ich auch tu‘, das hat doch keinen Sinn“. (Zitat) Joah, kommt hin, hier liegt der Schwerpunkt auf leicht verdaulichem Balzgesang für Teenieohren.

Mir fehlen die technischen Möglichkeiten, hier Tony Marshalls Version von „Canta Libre“ zu präsentieren, das ich nur auf MC vorliegen habe. 😉 Ich kann aber berichten, dass es weniger schlimm ist, als angenommen.

Absolut grauenvoll dagegen ist die Performance dieses mir vollkommen unbekannten Herrn. Es handelt sich um „Claus Markus“, der sich vergeblich bemüht, mit dem Playback und dem gnadenlosen Discofox-Muckenbeat klarzukommen. Es handelt sich um das eingedeutschte „Sweet Caroline“, das textlich erwartungsgemäß keine Ansprüche stellt.

Vor so viel Seelenlosigkeit gruselt mir, ich habe lange überlegt, das überhaupt zu teilen. Genreunterschiede hin und her, man muss Schlager nicht mögen, aber. Das. Geht. Nicht. Auch wenn man auf der Dorftenne auftritt, muss ein gewisser Anstand gewahrt bleiben.

Deshalb hier schnell eine „Übersetzung“, die man gelten lassen kann: Herr Wendland war ein Könner, wollte immerhin einst Opernsänger werden, auch wenn seine Caroline eine völlig andere ist als Neils. Old School Schwoof, deutsche Version – die süße Caroline beim ADTV-Tanztee.

Und zum guten Schluss noch eine brilliante „Holly Holy“-Adaption von der Grande Dame Daliah Lavi, fernab aller Schlagerabgründe.

Bei ihr hat man tatsächlich das Gefühl, eine adäquate Performerin anzutreffen, hier geht es nicht um glatte Wiedergabe einer gefälligen Melodie, sondern wir hören eine Sängerin, die die Atmosphäre eines Diamond-Songs tatsächlich ebenbürtig wiedergeben kann. Und die deutsche Betextung ist in diesem Fall wirklich exzellent! So geht es also auch. 🙂

Das war also ein kleines Potpourri aus deutschen Landen…es gibt noch viel mehr, wobei man wahrlich nicht alles gehört haben muss. 😀 

Was haltet ihr von solchen Bearbeitungen? Für mich ein sehr spannendes Thema, egal in welcher Sprache; wenn ich auch zugebe, dass ich Neils Songs in einer Schlagerumgebung nicht adäquat umgesetzt finde. Trotzdem interessieren mich alle „Bearbeitungen“, ob ich mich darüber ärgere oder freue, sei erstmal dahingestellt.

13 Gedanken zu „I Haven’t Played This Song In Years“

  1. Vielen Dank, Aleta, was für eine Fleißarbeit! Mir macht es immer sehr viel Spaß, Cover-Versionen anzuhören , und sei es nur, um bestätigt zu bekommen, wie gut das Original ist. Deutsche Schlager wurden über Jahrzehnte durch Cover-Versionen aus anderen Sprachen genährt, da ist es kein Wunder, dass Songwriter-Ikonen wie Neil Diamond reichlich Material liefern konnten. Ich habe vor Jahren mal eine ähnliche Zusammenstellung verfasst (allerdings mit Songs eines anderen Sängers) und weiß, dass man schon leidensfähig sein muss. Dass man aber auch Perlen entdecken kann, die einzelnen Liedern neue Aspekte verleihen. Und am Ende ist jede Cover-Version, und sei sie noch so schlecht, immer eine Form der Respektsbekundung.

  2. Danke Aleta, finde ich echt ein spannendes Thema!

    Ehrlich gesagt hat es mir vor diesen Covers immer gegruselt. Aber ich habs mit dem deutschen Schlager so gar nicht gehabt. Englisch (oder andere Originalsprache) war mir immer lieber.
    Hatte wahrscheinlich damit zu tun, dass die Eltern natürlich vor allem deutsche Texte gehört haben.;))
    Daliah Lavi war natürlich schon eine Klasse für sich. Auch wenn ich das damals auch nicht zugegeben hätte. Da hat auch keiner ein Lied zerstört!;))
    Das Cover ist echt super! Da war aber auch nicht nur die Frau, sonder auch die Stimme echt erotisch.

    Ansonsten bitte immer nur das Original!! Aber das gilt eben – Ausnahmen bestätigen die Regel – für alle Künstler.

  3. Danke Aleta.
    Die Zusammenstellung der deuteschen Coverversionen von Neils Songs ist eine Spitzen Idee und äußerst interessant !!
    Mir war nicht bewußt, dass es die überhaupt gibt.
    Aber Schlager habe ich auch seit 1973 nicht mehr gehört.
    Genauer gesagt, habe ich mir alle Mühe gegeben, ihnen aus dem Weg zu gehen.

    Beim „göttlichen“ Beautifull Noise, Peter Alexanders Song Sung Blue und Daliah Lavi passen die Texte und Stimmungen gut zu den Interpreten .
    Wobei mein Favorit Peter Alexander ist. 😉

    JDExpert hat genau treffend geschrieben, dass diese Covers ja Respektsbekundungen vor Neil und seinen Songs sind.
    Nur Wertvolles ist es wert nachgemacht zu werden !!

  4. Ja, mir geht es da ebenso wie JDExpert, ich sehe jede Coverversion als Reverenz. I.d.R. tut man sich eher keinen Gefallen, Songs aus der höchsten Liga anzugehen. Es genügt nicht, die Töne zu treffen… 😀

    Ihr könnt versichert sein, dass deutsche Cover *nicht* der Bodensatz dessen sind, was man einem Song antun kann.

    (Während ich eine große Tonträgerkollektion -teils aus morbider Faszination- verwahre, habe ich ein Oeuvre namens „David Hasselhoff sings America“ nach einmaligem Durchhören direkt entsorgt. Unfassbar, was er den Werken von Neil Diamond und John Denver angetan hat; und das war nicht das Ende der Fahnenstange…ganz schrecklich.)

    @JDExpert der Gruselfaktor ist bei JD und ND ähnlich, was deutsche Cover betrifft. Während ich bei Neil wohl in alle Abgründe gehört habe, konnte ich mir aber Roberto-Blanco in Kombination mit JD bis heute nicht geben. Selbst ich habe Leistungs- und Leidensgrenzen. 😉

  5. „Beim „göttlichen“ Beautifull Noise, Peter Alexanders Song Sung Blue und Daliah Lavi passen die Texte und Stimmungen gut zu den Interpreten .
    Wobei mein Favorit Peter Alexander ist. 😉“

    Da soll aber beileibe nicht heißen, dass die o.g. Werke in meinen Augen Neils Originalen in irgendeiner Weise Konkurrenz machen könnten.
    Es ist halt was anderes, für Nicht-Neil-Fans ganz nett anzuhören.
    Und Peter Alexander fand ich schon immer sympathisch, weil er eigentlich immer den Eindruck macht, dass er das, was er gerade tut, nicht ganz ernst nimmt. 😉

  6. So ist es. Man kann Coverversionen wertschätzen und objektiv „gut“ finden, ohne dass sie ansatzweise gleichwertig zum Original sind.

    Karel Gott und Peter Alexander sind in ihrem Fach großartig, wobei man als Neil-Diamond-Fan musikalisch natürlich anders gepolt ist. ND steht für Authentizität, Gott und Alexander sind Showmenschen, Entertainer. Mir bereitet eine gute „Umsetzung“ von Liedern Vergnügen, ohne dass ich mir diese jemals freiwillig anhören würde.

    Ich mag auch Fangesänge bei Sportveranstaltungen,. „Sweet Caroline“ in Baseball- oder Fußballstadien ist einfach super; während ich gleichzeitig die Veröffentlichungen von DJ Ötzi und dem Z-Schlagerheini Claus M. zur Après-Ski-Verwurstung einfach nur grauenvoll finde.

    Das hat ganz viel mit Herz und Seele zu tun. Ich kann es überhaupt nicht leiden, wenn ein Lied auf den Discofox-Rhythmus reduziert wird. „Sweet Caroline“ mag ein leichter Schlager sein, aber eben nicht NUR bam-bam-bam-so-good. Das muss man verstehen. 🙂

  7. Es stimmt schon, dass Coverversionen in irgendeiner Weise Respektsbezeugungen sind, aber ich finde nach wie vor, dass in Neils Songs so viel Persönliches steckt, dass nur er sie singen darf. Mögen die Stimmen (Daliah Lavi, tolle Frau, Peter Alexander – Stimme hatte er, Karel Gott ebenfalls) noch so gut sein – wenn ein anderer Neils Songs singt, fahren bei mir innerlich Stacheln aus. Und wenn dann noch einer ein Lied als Hüttengaudi verhunzt, läufts mir kalt über den Rücken. Mein Gruselfavorit ist DJ Ötzi….
    Und was den Discofox anbelangt – mit Uffta uffta uffta zerstört er jeden Song, nimmt ihm die Seele. Einfach nur schrecklich. Es gab mal einen sogenannten Remix von einigen Neilsongs – ich glaube es war Uwe aus Bochum, der das bei einem DJ hat machen lassen. Ganz sicher lieb gemeint – aber mir zieht es das Trommelfell auf links.
    Bei Neil bin ich stur. Und dann sind da ja noch die Impersonators… brrrr…… Wenn einer versucht, wie Neil auszusehen und zu klingen, ist das einfach nur grottig. Glitzerhemd an und ein bisschen ins Mikro schluchzen – neee…
    Es gibt da einen Songs, der ist toll von Neil und von Albert Hammond, der ihn ja geschrieben hat. Ihr wisst, was ich meine. „Don’t Turn Around“. Von beiden sehr verschieden, aber wunderbar interpretiert. Und dann kommt Milow und covert den Song in einer heiteren, pling pling leichtfüßgen Art, dass ich jedesmal das Radio abschalte. Passt meiner nach absolut nicht zum Text und ur Aussage des Songs.
    There is only one Neil.

  8. Über Sinn und Unsinn von Cover-Versionen kann man sich tagelang trefflich streiten. Eine dogmatische Beschränkung auf DAS Original dieses oder jenes Sängers ist in meinen Augen jedoch ein komplettes Ignorieren der schöpferischen Leistung des Komponisten und Texters. Musik soll gefallen, unterhalten, anregen, weiterentwickelt werden. Dafür ist eine Interpretation durch andere unerlässlich. Die neuere Musikgeschichte zeigt, dass das Interesse an den Originalinterpretationen irgendwann erodiert. Was aber bleibt und durch Neuinterpretationen auch das Interesse nachfolgender Generationen weckt, sind (z.B.) die Lieder an sich.
    „Don’t Turn Around“ habe ich z.B. zuerst von Ace of Base bewusst gehört. Danach von ND und später vom Komponisten himself. So sehr ich den Sänger Neil Diamond schätze, noch größeren Respekt habe ich vor seiner Fähigkeit, Lieder für die Ewigkeit zu schreiben.

  9. Neil Diamond ist einer der wenigen Künstler, die man sehr eng mit den eigenen Songs verbindet. Ein wesentliches -und von ihm selbst immer wieder betontes- Merkmal ist, dass man seine Lieder so hört, als „spräche er von sich selbst“.

    Als ND-Fan hat man deshalb den Eindruck, dass eine wichtige Bezugsebene fehlt, wenn seine ’signature songs‘ gecovert werden. „I Am I Said“ von Lionel Richie ist nett, aber nicht dasselbe, weil Lionel Richie eben nie „lost between two shores“ war. Und „Song In Blue“ von Peter Alexander fehlt die unterschwellige Melancholie, der Bruch der glatten Oberfläche, er steht für die leichte Muse, während Neil sich das etwas komplexere „Solitary Man“-Image gegeben hat. Bei Neil schwingen andere Assoziationen mit, wenn er „with a cry in your voice“ singt.

    Das ist die ND-Fan-Perspektive. Als Lionel-Richie-Fan hört man das aber wohl ganz anders.

    Ich persönlich habe ein Problem mit Coverversionen, die rein kommerzielles Interesse haben. D.h., Versionen, die an der Oberfläche bleiben und bei denen der Text egal ist; wenn Songs auf sogenannte „Stimmungslieder“ reduziert werden. DJ Ötzi kann das ziemlich gut und auch die „Hermes House Band“. Ja, diese Mitgröhlversionen erreichen sehr viele Menschen, aber es sind Songhülsen. Leere Melodien, Songs to go…Schlager eben.

    Ich sehe diesen Output zwiespältig – einerseits ist es großartig, viele tausend Stimmen in Sportstadien oder auf Volksfesten „Sweet Caroline“ singen zu hören. Gleichzeitig tut es weh, weil „gute“ Songs auf ein Level zurückgestutzt werden, was ihnen nicht gerecht wird.

    Auf der anderen Seite gibt es wirklich tolle, gefühlvolle Neuinterpretationen. Neils „Hello Again“ ist z.B. eine wunderbare Projektionsfläche für andere, hier stört auch kein biografischer Bezug. Und nach wie vor beeindruckt mich Daliah Lavis „Holly Holy“ fast so sehr wie Neils Version, davon könnte es sehr gerne mal eine moderne Einspielung geben.

    Ob es wieder Künstler vom Rang eines Neil Diamond geben wird? Potenzial ist vorhanden, aber die Welt ist eine andere. O tempora, o mores. 😉

  10. Außerdem können wir nicht ignorieren, dass auch Neil Songs anderer interpretiert hat !
    Wenn immer nur das Original gelten könnte, dürften uns seine Interpretationen nicht gefallen oder gar beeindrucken. 😉

  11. JDExpert – esstimmt schon, dass durch Coverversionen/Neuinterpretationen eventuell das Interesse der jungen Generation an dem „Lied an sich“ geweckt werden kann. Aber was bringt das? Ist es nicht besser, das Interesse am Original zu wecken?
    Klar kann man ewig darüber diskutieren, wofür Coverversionen gut sind, aber jeder wird auf seinemStandpunkt bleiben und wir drehen uns im Kreis.
    Ich respektiere deine Meinung, aber ich bleibe bei meiner. 😉
    Ich mag keine Interpretationen von Neil Songs – eben weil sie so persönlich sind. Eine Neuinterpretation mag musikalisch oder stimmlich wirklich gut sein – aber ich empfinde es als ein Abziehbild. Ohne die Tiefe, die Neil seinen Songs gibt.
    Und Etti – klar hat Neil auch Songs gecovert. Aber das müssen dann die Fans des Originals beurteilen, ob sie das gut finden. 😉
    Die meisten der von Neil gecoverten Songs gefallen mir – aber es gibt auch Ausnahmen.

  12. Das einzige Cover mit dem ich irgendwas anfangen kann ist Daliah Lavi! Das war mir völlig unbekannt und ist echt toll.
    Außerdem war da noch „Hello again“ bei den Kennedy Honours.
    Ich weiß nicht mehr wie das Mädel hieß, aber das hat mich echt umgehauen.
    War ja aber auch direkt auf Neil gemünzt und wahrscheinlich auch deswegen so emotional.

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